Wenn man Harmonien mit den Ohren wie Kurven fährt, dann sind Konzerte von PIPPO POLLINA wie eine Serpentinenfahrt auf der Amalfitana zwischen Napoli und Positano. Links die steilen Felsen mit Hängen für genussvollen Wein, rechts neben den brüchigen Steinleitplanken 150 Meter Steilküste und nichts, bis das Meer – käme. Trotzdem genießt man die Fahrt jedes Mal wieder! Nicht einmal das Hupen der Busse vor Kurven stört. Viele seiner Lieder sind bildlich farbig geschwungen und melancholisch. Aber er besetzt auch Positionen – politische und menschliche! Bleibt dabei aber stets der friedvolle, bedachte und menschliche Kern. Selbst wenn es um die tragische Geschichte eines furchtlosen sizilianischen Journalisten geht, der von der Mafia ermordet wurde und dessen Bruder später sein Freund wurde, der ihn immer wieder bittet „sein“ Lied „Centopassi“ für den Bruder zu spielen – für „hundert Schritte“ in einem unbeugsamen Leben. Der gebürtige Sizilianer lebt inzwischen fast 15 Jahre in Zürich, ist aber insbesondere in seiner Seele weiterhin der Süditaliener mit dem Lebensgefühl von unendlicher Entspanntheit. Das kommt von Beginn an Liedern wie „Una musica anche domani“, „Anniventi“ oder „Il nibbio“ zu gute. Insbesondere aber „Abbiamo tutti“ lebt von der groovigen Harmonie von Roberto Petroli (Querflöte, Klarinette, Sax) und Gianvito Di Maio (Keyboard, Akkordeon). Beide sind Teil der Begleitband „Palermo Acoustic Quintet“, einer spielfreudigen Band voller Virtuosen, die z.T. mit ihm schon die Schulbank gedrückt haben, wie er bei der Vorstellung von Bassist Luca LoBianco erzählt. Pippo Pollina ist auch jemand, der seine Mitmusiker ins Rampenlicht zu rücken weiß und ihnen Bühnenpräsenz und Aufmerksamkeit überlässt. Insbesondere dem imaginären Konzertmeister Edoardo Musumeci an den Gitarren.




