Dass man auch im fortgeschrittenerem Alter noch amtlich rockig singen kann bewies nicht nur Tina Turner, sondern nun auch Robin Beck mit ihrem ersten neuen Album „Living Proof“, bereits Longplayer #11, dem ersten neuen Werk seit neun Jahren und ihrer rauchig rockig souligen Stimme, die wie alter Wein ist. Produziert, wie die meisten Alben, vom Ehemann und House of Lords-Sänger James Christian und gemischt von David Ward (Pink Cream 69 Basser) tönt sie zwar Frontiers Rec.-typisch, die Drums sind noch immer nicht wirklich echt klingend, aber doch um einige Nuancen besser als üblich. Fans von Amanda Marshall (der von Legende Chris Lord-Alge gemischte Titelsong), Bonnie Tyler („Love and Money“ hört sich die Produktion irgendwie schlechter an) oder Vixen („Trouble or nothing“ mit feinen Gitarrensolo) kommen genauso zu ihrem Recht wie Anhänger der großen Balladen. „What a night“ mit Streichern kann genauso überzeugen wie „Never gonna let you go“. Hier wird man direkt in die 80er Jahre zurück gebeamt, denn die Nummer hört sich glatt so an, als wäre sie von Jim Steinman für den Film „Straßen in Flammen“ geschrieben und dort nur nicht von der fiktiven Band „Fire Inc.“ eingesungen worden. An Meredith Brooks denke ich beim frech poppig daherkommenden ‚gute Laune‘-Song „Na na“, während das funkige „Voodoo“ glatt auf der 1985er „Tao“ CD von Rick Springfield stehen könnte. Die coolste Nummer, mit dem besten Gitarrensolo (die sind zwar über das ganze Album verteilt, aber meistens recht kurz gehalten oder Robin singt dann hinein) gesegnet, ist die soulige Janis Joplin Gedächtnisnummer „Let it rain“, die die leider nur 41 Minuten lange Rock/Pop/AOR Scheibe vorzüglich beendet. Mit dieser beweist Robin Beck, dass man ihre drei Hits „First Time“, „Tears in the Rain“ und „Save up all your tears” gar nicht vermisst, denn sie ist auch ohne große Hits stark genug ausgefallen. 5,5 Sterne sind somit gerechtfertigt. (Frontiers) HJH
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