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No-Ce & Friends

Cécile Nordegg

Musik als Begegnung, als Dialog

Mit „ON TOUR“ veröffentlicht die österreichische Sängerin Cécile Nordegg eine Doppel‑CD, die sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht. Die Schublade „Weltmusik“ wäre zwar nicht falsch, würde dem Projekt aber nur einen Teil seiner Vielfalt gerecht. Entstanden zwischen Dakar, Guatemala City und Los Angeles, wirkt dieses Album wie ein musikalisches Reisetagebuch – allerdings keines, das rückblickend sortiert, sondern eines, das im Moment des Erlebens festgehalten wurde. Unwillkürlich fühlt man sich an die legendäre EMBRYO‑Platte Embryos Reise erinnert: dieselbe Offenheit, dieselbe Lust am Unterwegssein, dieselbe Neugier auf fremde Klänge und Begegnungen.

Die Songs basieren primär auf spontanen Live‑Sessions mit Musikerinnen und Musikern aus völlig unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Genau das hört man: afrikanische Rhythmusmuster, lateinamerikanische Farben, europäischer Jazz – nicht als Fusion im klassischen Sinn, sondern als offene Klangsprache, die sich ständig weiterentwickelt. Nichts wirkt konstruiert oder glattgebügelt. Stattdessen entsteht ein Gefühl von unmittelbarer Begegnung: Menschen, die sich musikalisch kennenlernen, aufeinander reagieren, sich gegenseitig Raum geben. Frau Nordegg selbst steht dabei nicht über der Musik, sondern mitten in ihr. Ihre Stimme ist mal erzählerisch, mal rhythmisch, mal fast flüsternd – immer aber präsent und neugierig. Sie führt nicht, sie verbindet. Und genau das macht den Charakter des Albums aus: Es ist weniger ein „Produkt“ als ein Dokument gelebter musikalischer Offenheit. Spannend ist auch, wie Nordegg ihre enorme digitale Reichweite – über 450.000 Follower auf Instagram – nutzt. Nicht als Marketingmaschine, sondern als Plattform für kulturellen Austausch. „ON TOUR“ wirkt wie die klingende Verlängerung dieser Idee: Musik als Begegnung, als Dialog, als Brücke zwischen Szenen, Städten und Kontinenten. (Hit Squad) HuGe

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