Aus Regensburg kommt eine neue Band, die eigentlich gar nicht so neu ist: Morgan Pines. Hinter dem Namen stecken vier langjährige Freunde, die ihre musikalischen Erfahrungen aus verschiedenen Regensburger Punkbands mitbringen – darunter Florian Kötterl und Dennis Forster von Irish Handcuffs und Sebastian von Point Baker. Drei der vier Musiker fanden sich im Sommer 2024 erstmals gemeinsam im Proberaum ein, nachdem sich ihre bisherigen Bands dem Ende zuneigten. Das vierte Mitglied kam mit Marcus kurzerhand aus dem Umfeld von Worst Advice dazu. Der erste Auftritt folgte beim Farewell Youth Fest in Dresden.
Wer bei Irish Handcuffs an melodischen Punkrock, eingängige Gitarren und jede Menge Bühnenerfahrung denkt, liegt bei Morgan Pines nicht völlig falsch – schließlich haben die beiden ehemaligen Irish-Handcuffs-Musiker mehr als ein Jahrzehnt Szeneerfahrung im Gepäck. Irish Handcuffs hatten seit ihrer Gründung Ende 2011 über 250 Konzerte gespielt, waren durch Europa, Großbritannien, Kanada und die USA getourt und teilten sich Bühnen mit Bands wie Leatherface, Lagwagon, Face to Face oder den Descendents. Im Mai 2025 spielte die Band schließlich ihr letztes Konzert – ausgerechnet auf derselben Bühne in Regensburg, auf der alles begonnen hatte.
Morgan Pines versteht sich dabei aber nicht als Irish Handcuffs 2.0. Vielmehr wirkt die neue Band wie ein Neustart mit Freunden, die sich musikalisch und persönlich schon lange kennen. Die Erfahrung bleibt hörbar, muss aber nicht mehr die Richtung vorgeben. Die ersten Veröffentlichungen deuten auf einen Sound, der zwischen melodischem Punkrock, Indie und Alternative zuhause ist und dabei deutlich mehr Raum für Atmosphäre lässt. Mit „Paper Ghosts“ und „Not My Own“ hat Morgan Pines 2026 bereits erste musikalische Visitenkarten abgegeben. „Paper Ghosts“ ist ein dreieinhalbminütiger Song, „Not My Own“ kommt auf knapp drei Minuten; beide Stücke erschienen zunächst als Singles und sind jetzt auf einer 4-Track-EP veröffentlicht. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass Morgan Pines nicht versucht, die Vergangenheit zu verstecken. Im Gegenteil: Die Band entsteht genau aus diesem besonderen Moment, in dem eine langjährige musikalische Geschichte endet und gleichzeitig etwas Neues beginnt. Man kennt sich, man weiß, wie die anderen ticken, und man muss sich nicht erst über Jahre zusammenspielen. Das schafft eine gute Ausgangslage für eine Band, die trotz ihrer Vorgeschichte tatsächlich wie ein neuer Anfang klingt.
Auch Regensburg selbst spielt dabei eine Rolle. Die Stadt besitzt eine ungewöhnlich beständige Punk- und DIY-Szene, in der Musiker über Jahre in unterschiedlichen Bands, Projekten und Freundeskreisen miteinander verbunden bleiben. Irish Handcuffs waren ein wichtiger Teil dieser Szene; Morgan Pines führt diese Geschichte nun auf eigene Weise weiter. Dass die Band bereits in aktuellen Konzertankündigungen neben etablierten Namen der deutschen Emo- und Punk-Szene auftaucht, zeigt, dass der Neustart längst über den Proberaum hinausgewachsen ist.
Morgan Pines sind deshalb mehr als ein Nebenprojekt ehemaliger Irish Handcuffs-Mitglieder. Die Band steht für den Moment nach dem Ende einer langen musikalischen Reise: vertraute Gesichter, neue Songs, neue Ideen – und offensichtlich noch lange nicht genug Lust, die Instrumente an den Nagel zu hängen. Wer wissen möchte, was aus einem guten Stück Regensburger Punkgeschichte entstehen kann, wenn man es nicht einfach wiederholt, sondern neu zusammensetzt, sollte Morgan Pines auf dem Zettel haben. Zuletzt spielte die Band Ende Juli zusammen mit den Kanadiern von Penske File in der Mälze, die nächsten Gigs sind für den 4. September mit 7YearsBadLuck und Weird Minds in Innsbruck und am 24. September in Nürnberg mit Bellyacher und Pale geplant.
Mehr Infos unter https://wearemorganpines.com/


