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Ten Years After & ZZ TOP

Kritik zum Open Air-Konzert am 13. Juli auf dem Gelände beim Jahnstadion

Bluesrock ohne Verfallsdatum: ZZ Top und Ten Years After begeistern in Regensburg

Fast genau vor 30 Jahren standen ZZ TOP letztmals bei einem Open Air-Konzert in Regensburg auf der Bühne, genau am 20. Juli 1996 als Headliner am Sarchinger Weiher in der Nähe von Regensburg während ihrer „Continental Safari“-Tour. Und jetzt waren sie wieder da! Zusammen mit Ten Years After als Support auf der „Summerstage“ beim Jahnstadion, diesmal im Rahmen ihrer „The Big One“-Europatournee. Nun gibt es Konzerte, bei denen Nostalgie im Mittelpunkt steht – und solche, bei denen Jahrzehnte Rockgeschichte plötzlich wieder lebendig wirken. Dieser Open-Air-Abend am Jahnstadion gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. Mit den britischen Bluesrock-Veteranen Ten Years After und den texanischen Ikonen ZZ Top stand ein Doppelpack vor gut 6500 Besuchern auf der Bühne, der eindrucksvoll bewies, dass handgemachter Bluesrock auch im Jahr 2026 nichts von seiner Faszination verloren hat.

Ten Years After eröffneten kurz vor 19 Uhr die Open Air-Show am Jahnstadion. Von der Originalbesetzung ist zwar nur noch Drummer Ric Lee dabei, doch auch die Neuen, die seit 2025 mitspielen, überzeugten: Sam C Lees (Gitarre & Gesang), Craig Fletcher (Bass & Gesang), Dave Burgoyne (Keyboard). Diese runderneuerte Band knüpfte nahtlos an ihren legendären Ruf als Live-Formation an und präsentierte einen energiegeladenen Mix aus Blues, Boogie und klassischem Rock. Praktisch folgte ein Klassiker auf den nächsten. Virtuose Gitarrenläufe trafen auf ein druckvolles Rhythmusfundament, während Stücke wie „Love Like a Man“ und das unvermeidliche „I’d Love to Change the World“ und natürlich „I’m coming home“ beim Publikum auf große Resonanz stießen. Besonders bemerkenswert war, wie selbstverständlich die Musiker die Balance zwischen Respekt vor dem Original und einer zeitgemäßen Interpretation hielten. Der Geist der Woodstock-Ära war jederzeit spürbar, ohne museal zu wirken.

Kurz nach Einbruch der Dämmerung betraten ZZ Top auf ihrer „The Big One“-Tour die Bühne, und zur Überraschung vieler, war es nicht die erwartete Besetzung. Zwar ist Bassist Elwood Francis seit fünf Jahren als Nachfolger für den verstorbenen Dusty Hill dabei, aber Drummer Frank Beard fehlte – gesundheitsbedingt konnte er die Europatour nicht mitspielen und wurde von Michael Monahan vertreten, der sich nahtlos in den charakteristischen ZZ-Top-Groove einfügte. Und vom Opener „Got me under pressure“ bis zur letzten Zugabe „La Grange“ wurde von diesem Trio voll durchgerockt, denn die Setlist ließ kaum Wünsche offen. Billy F. Gibbons demonstrierte einmal mehr, warum sein markanter Gitarrenton zu den unverwechselbarsten der Rockgeschichte zählt. Gemeinsam mit Michael Monahan und Bassist Elwood Francis entwickelte das Trio von der ersten Minute an den typischen, schnörkellosen Groove, der die Band seit mehr als fünf Jahrzehnten auszeichnet. Dabei verzichtete die Band bewusst auf überflüssige Pyro-Aktionen oder sonstige Effekte.

Auch optisch blieb die Band ihrem Stil treu. Die ikonischen Gitarren, das eingespielte Bühnenbild und der trockene Humor von Billy Gibbons verliehen dem Konzert jene Authentizität, die viele jüngere Produktionen vermissen lassen. Stattdessen standen Spielfreude, Präzision und der unverwechselbare Texas-Bluesrock im Mittelpunkt. Gerade diese Gelassenheit machte den Auftritt so überzeugend: ZZ Top mussten niemandem mehr etwas beweisen – und genau deshalb wirkten sie so souverän. Nach gut einer Stunde war die Setlist durchgespielt, dann kamen noch gut 30 Minuten Zugabe, bevor mit „La Grange“ Schluss war. Das Publikum – generationsübergreifend vom langjährigen Fan bis zum neugierigen Erstbesucher – dankte es mit lautstarkem Applaus. War ein toller Abschluss der Summerstage am Jahnstadion. Und Billy Gibbons & Co dürfen gern bald wiederkommen!

Setlist

Got Me Under Pressure

I Thank You (Sam & Dave cover)

Waitin‘ for the Bus

Jesus Just Left Chicago

Gimme All Your Lovin‘

Pearl Necklace

I’m Bad, I’m Nationwide

I Gotsta Get Paid

My Head’s in Mississippi

Brown Paper Bag (Billy Gibbons Song)

Cheap Sunglasses

Just Got Paid

Sharp Dressed Man

Legs

Encore:

Brown Sugar

Tube Snake Boogie

Thunderbird

La Grange