altemaelze

Splat!

Deep Purple

Unverschämt spielfreudig und voller Inspiration!

Ja, das neue Deep-Purple-Album ist hart. Aber beim Wort „hart“ darf man nicht an Songs wie „Speed King“ oder „Fireball“ denken. Etwas unter diesen Härtegraden agieren die Briten im Jahr 2026 dann doch. Allerdings: „Splat!“ knallt erheblich mehr, als die Alben der vergangenen Jahre. Ein Titel wie „Arrogant Boy“ würde ob seiner nervösen Rhythmik nicht wenige Bands ins Hudeln und Flattern bringen und im rhythmischen Desaster enden! Deep Purple allerdings verstehen es, den Opener des Albums mit einem relaxten Groove zu versehen. Die Band klingt überzeugend und locker. Und überhaupt: Paice, Gillan, Glover, Airey und McBride müssen und wollen seit vielen Jahren niemandem mehr etwas beweisen (außer sich selbst vielleicht). Es geht hier einzig um allein um Musik. Um gute Musik. Deshalb ist „Splat!“ das fünfte Album in Folge (das Nachspielalbum „Turning To Crime“ nicht mitgezählt, weil es keine neuen eigenen Songs enthält), bei dem die Band zur Höchstform aufläuft und sich das Alter nicht anmerken lässt. Producer Bob Ezrin hat einen wohl nicht zu unterschätzenden Anteil an der Qualität der letzten Alben. Der Erfolgs-Produzent von Pink Floyds „The Wall“ oder Alice Coopers „School’s out“ fühlt sich offensichtlich nur noch seinem eigenen (hohen!) Anspruch verpflichtet. Und auch der 2022er Neuzugang und Gitarrero Simon McBride spielt auf seinem zweiten Album mit Paice und Co. so charakterstark und trotzdem banddienlich auf, als wäre er Gründungsmitglied gewesen. Einfach brillant! Ob unisono, im Zwiegespräch oder als Battle: Mit Don Airey hat er einen perfekten Spielgefährten gefunden. Und natürlich kann er auch ohne Airey herausragende Soli spielen. Immer wieder gelingen Deep Purple auf „Splat!“ melodiöse Kabinettstückchen, etwa der majestätische Mittelteil in „Diablo“ (für mich die ergreifendsten 22 Sekunden des Albums). Danach rockt Simon McBride mit seinem Solo alles in Grund und Boden. Wirkte die Single-Veröffentlichung ob des unvermittelten und abrupten Schlusses noch etwas eigenartig, so hat man auf dem Album Gillans schmunzelnden „I love it“-Kommentar am Ende belassen und somit eine runde Sache aus dem Titel gemacht. „The Rider“ und „The Lunatic“ leben von gnadenlos treibenden und von der Hammond entscheidend unterstützten Riffs. Ian Gillan ist bestens bei Stimme und die Rhythmusmaschine Ian Paice und Roger Glover macht keine Groove-Gefangenen, sondern packt immer zu – auch dann, wenn man etwas reduzierter zur Sache geht, wie bei „The Beating Of Wings“. „Guilt Trippin'“ beginnt mit Piano und sorgt für Abwechslung, „Jessica’s Bra“ geht nach vorne und präsentiert zum wiederholten Male auf „Splat!“ Ian Gillan im brillanten Harmoniegesang mit sich selbst. Als letztes Beispiel sei der Titelsong erwähnt, der das Album kräftig rockend beendet. Es werden nochmal alle Register gezogen. Nicht nur Ian Paice’s mächtige Drums, Roger Glovers Basslauf und Don Aireys bissiges Keyboardfill (klingt wie weiland Stevie Wonder auf „Superstition“) machen Lust darauf, die Scheibe sofort wiederzuhören! Es gibt aktuell jede Menge ehemals innovativer Bands, die als eigene Coverband in Dauerschleife nur noch ihre lange vergangenen Hits wiederkäuen. Und es gibt junge Bands, die das Kopieren erfolgreicher Sounds und Songs aus den 70ern für innovativ halten und sich tatsächlich als Zukunft der Rockmusik inszenieren (vielleicht verstehe ich aber einfach die Satire dahinter nicht).  Beides ist berechtigt, weil erfolgreich. Ich bevorzuge es aber, wenn Musiker kreativ sind und Neues produzieren. Neues, das im besten Falle auch im Jahre 2026 Relevanz hat. Neben Deep Purple fallen mir als positives Beispiel in dieser Kategorie aber nur die Rolling Stones und Uriah Heep ein. (earMUSIC) acb ******

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