Die Kapelle aus Down Under hat nie Musik für den schnellen Konsum gemacht, und auch „Fragile World“ verweigert sich konsequent jeder Form von Gegenwartshektik. Finn Andrews setzt weiterhin auf große Gefühle, dunkle Klavierflächen und diese angenehm morbide Eleganz irgendwo zwischen Tindersticks, frühen Bad Seeds und den stilleren Momenten von The National -und ein Scott Walker ist dem Manne sicherlich auch geläufig. Neu ist höchstens die Ruhe, mit der die Band ihre Melancholie inzwischen ausstellt. Wo frühere Alben manchmal etwas zu demonstrativ ins Drama kippten, genügt heute oft ein einzelner Streicherlauf oder Andrews’ brüchige Stimme, um Atmosphäre zu erzeugen. Das wirkt abgeklärter, beinahe souverän. Manchmal trägt „Fragile World“ stellenweise etwas dick auf, aber genau darin liegt auch der Reiz dieser Musik. The Veils haben keine Angst vor Pathos – und das unterscheidet sie wohltuend von vielen zeitgenössischen Indie-Bands, die Emotionalität lieber ironisch brechen. Ein sehr schönes Album für verregnete Nächte und Menschen, die Musik gerne auf der Zunge zergehen lassen wie einen guten Rotwein. (Bertus) HuSch
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https://youtu.be/_J7bhE5db1A?si=A2ntUBLVpMIvWDtk


