altemaelze

The dark side guide

Eclipse Sol-Air

Neues nach langer Recording-Pause vom Prog-Rocker aus der Oberpfalz

Die Band um Philippe Matic-Arnauld des Lions und Mirteille Vicogne hat mit „The dark side guide“ erneut ein großartiges Album am Start. Eclipse Sol-Air haben auch ehemalige Musiker zu den Aufnahmen eingeladen und können mit prominenten Mitstreitern punkten: unter anderem Klaus Doldinger (sax) und John Hackett (fl) – der Bruder von ex-Genesis-Gitarrist Steve Hackett – liefern feine Beiträge zu dem knapp 60 minütigen Opus. Die Band hat in der Vergangenheit u. a. mit Eloys Mastermind Frank Bornemann zusammengearbeitet und ist in den letzten Jahren nicht nur dadurch weiter gewachsen. Bei diesen neuen Aufnahmen ist alles wohl durchdacht arrangiert, da sitzt jeder Ton und jede Instrumentierung genau an der richtigen Stelle. Das hat Klasse und begeistert. Die Band versteht es glänzend, aus unterschiedlichsten Musikrichtungen, verschiedenen Rhythmen und Sprachen ihren ureigenen Stil zu destillieren. Eine heavy Gitarre hört man ebenso, wie sanfte Flötensoli, Boogie-Rhythmen passen genauso homogen in die Songs, wie ein kurzer, im naigrischen Typ schneller werdender Kasatschok. Jeder Titel ist wunderbar dynamisch, frisch und oft überraschend arrangiert: schnell – langsam, laut – leise, wuchtig – soft, elektrisch – akustisch. Alles passt zusammen und fesselt, auch die catchy Refrains.

„Part I“ startet mit einem Keyboardteppich, abgelöst von einem harten Gitarrenriff. Und in den folgenden 12 Minuten entwickelt sich ein klassischer Progrock-Song. Rhythmusvariationen, Breaks und ein eingängiger Refrain halten die Spannung hoch. In „Part II“ werden bei mir ob der Geigenarbeit Erinnerungen an die legendären Curved Air wach. Als akustische Ballade startet „Part IV“, Flöte und Geige brillieren bei den Soli. Später treibt dann ein Boogie mit Gitarrensolo den Song voran. Als Reggae beginnt „Part V“, ein zartes Flötensolo übernimmt und gegen Ende hört man gar sakrale Chöre. Höhepunkt des Albums ist zweifellos „Part VI“. Über 16 Minuten Progrock der Oberklasse. Eine nervös treibende Geige gibt den Rhythmus vor und führt fast hypnotisch in ein Feuerwerk an musikalischen Ideen. Und bei „Finalis“ kann man das ganze Album Revue passieren und ausklingen lassen. Harte Riffs, akustische Soli und wunderbare Chöre zeigen nochmal die enorme Bandbreite der Musik von Eclipse Sol-Air. Nicht der Kommerz, sondern die Kunst steht bei dieser Produktion im Vordergrund. Deshalb erscheint „The dark side guide“ auch nur auf Vinyl. Philippe sagt dazu: „Streamingdienste verleiten zum Fastfood-Konsum und werden in den Ausspielwegen dem Konzept eines Konzeptalbums nicht gerecht. Mit diesem Album stellen wir einen bewussten Kontrast.“ Apropos Konzeptalbum: Die dreisprachigen Texte (französisch, deutsch, englisch) kann jeder beim Durchhören für sich entdecken und die spannenden Inhalte deuten. Fazit: Eclipse Sol-Air ist ein wunderbares Album voller Spielfreude und kompositorischer Reife gelungen, in das man vom ersten Moment an gerne eintaucht. Mit jedem Hören offenbaren sich dann weitere Feinheiten. Das Doppel-Vinyl-Album wird über Crowdfunding finanziert. Unter https://www.startnext.com/darksideguide kann man sich daran beteiligen und eine Kopie von „The dark side guide“ sichern. (Eigenvertrieb) acb

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