altemaelze

Live in Rennes

Olli & The London Radio Pop Orchestra

Ein „akustisches“ Gedicht

Es gibt diese Projekte, bei denen man schon beim Lesen des Titels denkt: „Oh je… Orchester plus Pop = Kitschalarm.“ Und meistens stimmt das ja auch. Aber nicht hier. Olli und das London Radio Pop Orchestra liefern mit „Live in Rennes“ eine Aufnahme ab, die genau das Gegenteil von klebrigem Bombast ist: leicht, elegant, musikalisch fein ausbalanciert – und dabei trotzdem groß, warm und emotional. Ollivier Leroy überrascht hier einmal mehr, vor allem mit seiner Stimmbandbreite. Er bewegt sich locker über zweieinhalb Oktaven, mit Ausflügen in eine dritte – und das ohne hörbare Anstrengung. Die Tiefe hat Wärme, die Mittellage trägt, und die höchsten Höhen sitzen erstaunlich sauber, als würden sich zwei Personen hier die Gesangsparts teilen. Auch wenn das Ensemble hier als London Radio Pop Orchestra firmiert, hört man sofort, dass viele der Musiker aus dem Umfeld des BBC Concert Orchestra stammen. Und die beherrschen ihr Handwerk! Man merkt sofort, dass hier Profis am Werk sind, die Pop nicht „verklassiken“, sondern intelligent erweitern. Die Streicher- und Bläseraufnahmen wurden in der legendären Air Studios in London aufgenommen. Das Ergebnis ist ein Sound der groß klingt, aber nie protzig wird – emotional, klar, wunderschön ausbalanciert. Auf einer guten Anlage ist „Live in Rennes“ ein (akustisches) Gedicht bzw. eine dieser seltenen Pop‑Orchester‑Produktionen, die nicht nur funktionieren, sondern richtig berühren. (Lavel Caravan) HuGe

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