altemaelze

Randsperg

Schwafi & die Spackos

Das „Sound-Report“-Album für den Mai 2026: Die Musk-CD zur Randsperg-Trilogie – Provinzielle Trostlosigkeit als musikalisches Statement

Klaus „Schwafi“ Schwarzfischer ist eigentlich Autor und bekannt für seine etwas schrägen, bisweilen auch ziemlich blutigen Romane wie z.B. Der Kardinalfehler oder Volxfest. Oder auch die sogenannte „Randsperg“-Triologie. Dazu gibt er immer wieder mal intensive Lesungen, bei der er von der Rockband Die Spackos in Feinripp begleitet wurde und wird, was das Ganze zu einem richtigen Musikprogramm macht. Vor einigen Jahren verfilmte Schwafi seinen ersten Roman Der Verein, der Metzger und der Tod, der in ausgewählten Kinos zu sehen war, den ersten Teil der erwähnten „Randsperg“-Triologie. Und dann kam 2015 mit „Randsperg“ praktisch die erste offizielle CD dazu raus, natürlich von Schwafi & die Spackos, gleichzeitig ist das der Soundtrack zu diesem „Splatter-Heimatfilm“ mit elf Tracks. Grund genug, nach mehr als zehn Jahren an diese Songs zu erinnern und das Album für den „Sound Report“ für Mai 2026 nochmal aus dem Archiv zu holen.

Und tatsächlich wimmelt es in den elf Songs, die im fiktiven Ort Randsperg spielen, nur so von schrägen und groben Typen. Abgehalfterte Schönheitsköniginnen, sich selbst geil findende Prolls, die üblichen Verlierer und ihre sich selbst überschätzenden Gegenspieler und dazu die obligatorischen Spießer, deren Horizont hinter dem eigenen Wohnzimmer-Sofa aufhört, und ihre vom Leben gelangweilten bzw. frustrierten Kompagnons – das ist die Klientel, die hier in Songs verwurstet wird. Trostlos, wie die Band im gleichnamigen Song singt, ist die Szenerie nicht nur einmal. Dafür ist die Musik umso abwechslungsreicher. Und nicht nur einmal trifft man genau den richtigen Ton zum textlichen Inhalt. Das kann mal schleppender Hardrock á la Deep Purple („Hausfasching“) sein oder im einen Moment fast doomig („I kon nix guad“), dafür streift man im nächsten regelrecht das Punk-Metier („Seben Cow“). Dann gibt es entspannten Blues-Rock mit „Lay down Sally“-Gedächtnis-Riff, der zudem leichtes Country-Flair atmet oder einen ziemlich lässigen, ironisch klingenden Tango („Trostlos“). Musikalisch langweilig wird es jedenfalls nicht, wenn die Spackos ihren Frontmann bei seinem Sprech-Singsang begleiten. Denn ein richtiger Sänger im klassischen Sinne ist Schwafi nicht. Dafür ein leidenschaftlicher Performer, der seine interessanten, meist im Dialekt dargebotenen Texte auslebt. Highlight-Songs für ein erstes Kennenlernen: „Trostlos“, „Sche und jung“, „Is des des?“ oder auch „Sepp aus Kreith“.

Randsperg“ ist eine interessante, aber nicht gerade wenig eigenwillige Platte geworden, bei der auf angenehme Weise Literatur mit Mundart-Rock verschmelzen. Die CD bildet gleichzeitig einen Baustein für ein übergreifendes Kunstprojekt, das bildende Kunst, Literatur, Film und neue Medien miteinander verbindet. Und der Münchner Merkur schreibt zum Erscheinen des Albums: „So gut kann Bayernrock sein. Fernab der handelsüblichen schlagerhaften Schlichtheit bewegt sich die Regensburger Band schwafi und die spackos auf ihrem fulminanten Debüt.“ Und das gilt auch heute noch. (MundArt Ageh / BSC Music / Rough Trade)

Klaus „Schwafi“ Schwarzfischer (Gesang)
Andreas Hanauer (Bass, Gitarre)
Roman Baldauf (Gitarre)
Clemens Matejka (Keyboard)
Steff Maier (Schlagzeug)
Gast:
Uwe Hoffmeister (Saxophon, Gesang)

Die Musik gibt’s noch auf spotify: https://open.spotify.com/intl-de/album/4qlgrBbVlNwR8lWyttEHs1?si=DfLMOm0vQImW2zilCKnCGw