altemaelze

Shout

Hardline

Neu klingt das alles nicht – aber dafür absolut überzeugend!

Fünf Jahre hat es gedauert bis endlich eine neue Hardline Scheibe, die nunmehr achte, das Licht der Musik-Welt erblickt hat mit „Shout“. Geschuldet ist die lange Zeit natürlich den ganzen Verpflichtungen von Sänger Johnny Gioeli, der mit Axel Rudi Pell, Crush 40 usw. extrem ausgelastet ist. Wer durch den Wechsel der Plattenfirma von Frontiers zu Steamhammer musikalische Auswirkungen erwartet hatte liegt natürlich falsch. Wie schon früher gibt es starken, amerikanisch geprägten Hard Rock mit feinen Refrains, manch ziemlich harte, fast schon Melodic Heavy Metal artige Nummern (auf der zweiten Hälfte des Albums) und drei richtig tolle Balladen bzw. Midtemponummern. Die Produktion ist sehr gelungen und lag in den bewährten Händen von Alessandro del Vecchio, der nicht zu feine Keyboardsounds einfügt, sondern auch noch klasse singt, und den Drums einen eher natürlicheren Touch verpasst hat, als bei seiner fast schon Fließbandarbeit, als er noch bei Frontiers Rec. beschäftigt war. Leider hört man das coole Bassspiel von Anna Portalupi eigentlich nur bei „I’m leaning on it“ so wirklich raus. Der Star, auch wenn er selber das sicher so nicht selbst sieht, ist natürlich Bandgründer (und einziges Überbleibsel der 1991 gegründeten ehemaligen Supergroup mit u.a. Neal Schon und Deen Castronovo) Johnny sowie der famose Gitarrist Luca Princiotta, der schon für Doro in die sechs Saiten griff, und wirklich starke Soli aus dem Ärmel schüttelt. Lustigerweise besteht die Band inzwischen nur noch aus italienischen Musikern, wie im aktuellen Rock Hard Interview angesprochen. Musikalisch bewegt man sich wie bereits erwähnt im Spektrum des klassischen US Hard Rock mit viel Keyboards á la Damn Yankess („It owns you“) oder auch MSG gemischt mit UFO (die eher midtempo Nummer „Mother Love“), schönen Balladen, wo Johnny auch mal eine andere Stimmfärbung im Gesang reinlegt (die ziemlich Scorpions lastige Nummer „When you came into my Life“, die sich bei näherer Betrachtung tatsächlich als Scorpions Cover herausgestellt hat, sowie mein Anspieltipp „Glow“, eine traurige Piano, Streicher Nummer mit starkem Co Gesang von Ale ab der zweiten Strophe, die zu Herzen geht), aber auch Nummern, die man so eher auf einer Axel Rudi Pell CD, vom Härtegrad her, vermuten würde, wie „Rise above no Fear“ (das akustische Intro/Outro führt in die Irre, der Song hat dafür aber einen echt coolen Flamencogitarrenpart) oder „Candy Love“ bzw. die Pretty Maids zu „Future World“ Zeiten mit „Welcome to the Thunder“ wo man fast meint Ronnie Atkins singen zu hören. Wer Innovationen sucht liegt hier falsch, wer Musik mit Herzblut liebt greift bei dieser sechseinhalb Sterne CD beherzt zu. Klasse und hoffentlich findet die Band auch mal den Weg ins Airport so wie es Axel Rudi Pell fast schon jährlich tut. (Steamhammer) HJH

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