Er kommt aus Island und legt mit „Julia“ bereits sein fünftes Studioalbum vor, doch bei uns ist er noch ziemlich unbekannt. Dabei zählt er zu Islands erfolgreichsten Musikexporten. Sein Debütalbum „Dýrð í dauðaþögn“ wurde das meistverkaufte Debüt der isländischen Musikgeschichte und führte 2014 zur englischen Version „In the Silence“. Mit „Afterglow“ (2017), „Bury the Moon“ (2020) und „Time on My Hands“ (2022) verfeinerte er seinen Sound weiter und erhielt weltweites Lob von Presse und Radio. In den letzten Jahren trat er außerdem mit dem Isländischen Symphonieorchester auf und nahm eine Live-Session für Arte in Berlin auf. Zudem schrieb er ein Lied für ein kafkaeskes Theaterstück namens „Sýslumaður Dauðans“, das im Stadttheater Reykjavík aufgeführt wurde. Die Rede ist von Asgeir, der eigentlich Ásgeir Trausti Einarsson heißt.
Auf seinem fünften Studioalbum „Julia“ betritt der isländische Singer-Songwriter faszinierendes Neuland. Nachdem er jahrelang mit Übersetzern wie John Grant zusammengearbeitet und sich mit der Poesie seines Vaters Einar Georg Einarsson beschäftigt hatte, hat Ásgeir zum ersten Mal in seiner langen Karriere seine Texte selbst geschrieben. Das Ergebnis ist ein tiefgründiges, von Nostalgie durchdrungenes Werk, in dem Ásgeir unter dem Einfluss der Titelfigur des Albums über seine vergangenen Fehler und seine Hoffnungen für die Zukunft nachdenkt. Ásgeir wird seit langem für seinen komplexen Folk-Pop, seine üppige Produktion und sein melancholisches, emotionales Falsett gelobt. „Julia“ markiert eine Wende hin zu nicht nur lyrischer Selbstständigkeit, sondern auch kathartischer Direktheit, zu Songs, die nicht nur exquisit interpretiert, sondern auch gelebt wirken. „Das war sozusagen das erste Mal, dass ich die Texte komplett selbst geschrieben habe“, erzählt er. „Es war beängstigend. Ich versuche immer noch, mich darin zurechtzufinden. Aber ich habe versucht, mich zu öffnen, und dabei viel gelernt. Für mich war das definitiv eine therapeutische Erfahrung.“ Dieses neue Gefühl der Verletzlichkeit zieht sich durch die zehn Songs des Albums, die im Laufe von fast zwei Jahren geschrieben und aufgenommen wurden. Viele Stücke entstanden zunächst auf der Gitarre – mit dem Ziel, Einfachheit, Melodie, Klarheit und Bedeutung in den Vordergrund zu stellen. Die Produktion, die Ásgeir gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Guðm. „Kiddi“ Kristinn Jónsson entwickelte, bleibt organisch und zurückhaltend, sodass Ásgeirs Stimme – und insbesondere seine Stimme als Songwriter – in den Mittelpunkt rückt. Musikalisch lehnt sich die Platte an Ásgeir´s langjährige Liebe zu Folk und Americana an. Er nennt Einflüsse wie Daniel Lanois, Leonard Cohen, Nick Drake, sowie zeitgenössische Künstler wie Adrianne Lenker, Dina Ögon, Gregory Alan Isakov und Saya Gray. Im Herbst wird Asgeir auch in Bayern zu hören sein, am 14. September steht er im „Technikum“ auf der Bühne. (Tonpool) P.Ro
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