Wer mal so wieder richtig Bock heiße Gitarrensoli und Gitarrenduelle hat, hört gleich mal in das Debüt „White Hot“ der britisch/schwedischen Combo Nerve Star rein, die Ende Februar 2026 auch auf CD erscheinen wird. Gegründet 2021 und 2023 auf Band-Stärke gebracht, haut man uns 13 Songs um die Ohren (inkl. zweier kurzer Instrumentals), die bis auf zwei Stücke nur Cover sind, von denen ich kein einziges erkannt habe. Ein gutes Zeichen. Denn Dank des formidablen Sängers, Shouters und Screamers Matt Oakman (Rob H, Jon Olivia usw. wären stolz auf diese Leistung,) der beiden Gitarristen Janne Stark (der Schwede hat schon locker 100 Alben, Songs supported) und Chris Bilinghurst (die Gitarrenarbeit atmet den Geist von u.a. Thin Lizzy), Bassist Joss Thorley (der einige bemerkenswerte Läufe hinlegt) und Felldrescher Peter Svensson (Schwede Nummer 2, der nur ab und zu etwas „klinisch“ daherkommt) wird hier ein 60 Minuten langes musikalisches und gesangliches Feuerwerk abgebrannt, das in der Schnittmenge von Doom, Power, Speed, Heavy Metal sowie Hard und Classic Rock (70er) Jahre ein breites Feld abdeckt. Nur Balladen gibt es keine. Dem am nächsten kommt die letzte Nummer „Richard III“, die sich tatsächlich gut zwei Minuten balladesk gibt, dann in eine Savatage Power Nummer zu „Gutter Ballet“-Zeiten übergeht und in ein drei Gitarrensolo Finale mündet, tritt hier doch Tony Bourge von „Budgie“ als Gast auf. Der Einstieg in die Scheibe „Hell on Wheels“ täuscht Doom Metal an, geht dann aber in eine zackige Speed Metal Nummer über, Auch die nächsten drei Titel schlagen eher in die knackige Metal Kerbe. Nach dem ersten kurzen Instrumental „Cool, Calm and Connected“ (hier höre ich Michael Schenker raus) ändert sich die musikalische Ausrichtung und es wird ‚Hard Rock‘iger bzw. Classic Rock-mäßig: z.B. „Black Jack“ hätte auf einer Bad Company Scheibe einen Höhepunkt dargestellt. Die Dead Daisies mit Glenn Hughes am Gesang schauen bei „Hard Rain Fallin‘“ vorbei und ich könnte schwören, dass bei „Space Ritual“ mit seinen verschrobenen Keyboardpassagen und den halligen Refrain Dave Brock von Hawkwind seine Finger im Spiel hatte. Gesanglich und musikalisch kommen hier dann noch Einflüsse von Ozzy Osbourne ca. 1982 und ganz frühe UFO (1972 rum), als diese noch eher Space Rock spielten (UFO, UFO II), dazu. Sehr ungewöhnliche Nummer. An der Produktion kann zumindest ich nicht aussetzten (Saitenkult z.B. sieht das etwas anders) und generell habe ich nur ein Problem mit der Scheibe: Sie kann auf CD zumindest bei den üblichen Verdächtigen in Deutschland nicht bestellt werden. Schade, denn die sechs Sterne hat sie sich redlich verdient. (The Hyper Label-Major League Production) HJH
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