Mit „As Time Explodes – The Live Album“ legt Neil Young einmal mehr den Beweis vor, dass er sich auch mit über acht Jahrzehnten Lebenserfahrung nicht auf Nostalgie reduzieren lässt. Das Album dokumentiert die Tournee 2025 mit seiner Begleitband Neil Young & The Chrome Hearts und vereint Klassiker, Raritäten sowie den neuen Song „Big Crime“ zu einem eigenwilligen Konzertporträt. Statt erwartete Hits aneinanderzureihen, stellt Young einmal mehr die Überraschung über die Gefälligkeit.
Die größte Stärke des Albums liegt in seiner Songauswahl mit 13 Tracks. Zwischen bekannten Stücken wie „Harvest Moon“, „Like a Hurricane“ und „After the Gold Rush“ finden sich selten gespielte Titel wie „Daddy Went Walkin’“, „Long Walk Home“ oder „Name of Love“. Dadurch entsteht weniger ein Best-of-Konzert als vielmehr eine musikalische Autobiografie, die verschiedene Epochen von Youngs Karriere miteinander verbindet. Musikalisch präsentieren sich die Chrome Hearts als eingespielte, entspannte Begleitband. Besonders die langen Versionen von „Cortez the Killer“ und „Like a Hurricane“ profitieren von der lockeren Dynamik und dem Raum für instrumentale Ausflüge. Viele Hörer heben insbesondere „Cortez the Killer“ als einen der Höhepunkte des Albums hervor.
Und natürlich darf man hier keine glatt polierte Produktion erwarten, die wirkt stellenweise erstaunlich roh. Einige Aufnahmen klingen eher wie Mitschnitte aus dem Archiv als wie sorgfältig kuratierte Live-Versionen. Doch gerade diese Unvollkommenheit gehört jedoch seit Jahrzehnten zu Youngs künstlerischer Identität. Wo andere Musiker Fehler ausbügeln würden, lässt er Ecken und Kanten stehen. Seine Stimme ist brüchiger geworden, die hohen Töne gelingen nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit früherer Jahre. Doch anstatt die Songs zu schwächen, verleiht dies Balladen wie „Long Walk Home“ oder „After the Gold Rush“ eine zusätzliche Schicht von Melancholie und Vergänglichkeit. Und der neue Song „Big Crime“ fügt sich nahtlos in Youngs lange Tradition politischer Kommentare ein und erinnert daran, dass er auch im Jahr 2026 nicht bereit ist, sich auf die Rolle einer Rocklegende im Ruhestand beschränken zu lassen. (Reprise) P.Ro
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