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Uli Jon Roth

Kritik zum Konzert am 23. Mai im VAZ in Burglengenfeld

Uli Jon Roth kämpfte im VAZ Pfarrheim Burglengenfeld gegen DFB-Pokalfinale und Biergartenwetter gleichermaßen. Aber ein Profi, auch bei schwierigem Timing!

Wenn eine Legende wie Uli Jon Roth ruft sollte man dem gerne nachkommen. Leider taten dies nur knapp 120 Leute im VAZ Pfarrheim in Burglengenfeld, die dafür umso mehr Lärm machten, und wer nicht da war, verpasste dann doch einen wirklich sehr guten Auftritt. Dieser war dreigeteilt, wobei mir der erste Teil des Sets nicht so ganz zugesagt hat. Nach gut sechsminütigem Intro vom Band mit Space-Age/Sci Fi Animationen auf der Leinwand betrat Uli nur mit seiner Sky Gitarre die Bühne und offerierte im Laufe der nächsten gut 45 Minuten rein instrumentale, genial gespielte Gitarrenversionen klassischer Stücke von Mozart, von denen ich immerhin zwei erkannte, u.a. aus der Zauberflöte bzw „Rondo alla Turca“ und das selbstgeschriebene „Amadeus“ basierend auf dem gleichnamigen Film, sowie eigene Stücke aus seiner Electric Sun-Phase. Hier begeisterte mich vor allem „The Cry“, das mich in Teilen an „The Loner“ von Gary Moore mit viel Klassik erinnert. Leider kam die komplette Musik vom Band und zudem wurde das Set von einer zehnminütigen Präsentation seiner Gemälde bzw seines Buches unterbrochen. Nach einer halbstündigen Pause ging es dann endlich mit dem zweiten Set in die Vollen, wurde doch das komplette „Virgin Killer“ Album der Scorpions zum besten gegeben, wo einige Songs auf dieser Tour somit zum ersten mal überhaupt live zu hören waren. Die Band war top eingespielt, auch wenn man seine Tochter an den Keyboards und Backgroundgesang so gut wie nicht vernehmen konnte, und mir die Stimme des Bassisten und Sängers, leider seinen Namen und auch die der restlichen Musiker nicht mitbekommen, nicht so wirklich zugesagt hat in den härteren Songs. Wer John Sloman in Verbindung mit Gary Moore auf der „Live in Japan“ kennt weiß was ich meine. Dafür war die extrem harte Ausrichtung mit einem wirklich guten zweiten Gitarristen ein Fest für die Ohren, was dann in feinste Gitarrensoloduelle mündete und bewies wie knackig die Scorpions früher mal waren. Man höre nur „Pictured life“, „Backstage Queen“ oder den Titelsong. Natürlich durften Balladen nicht fehlen um den Ohren eine Pause zu gönnen, das Album bietet hier gleich drei mit „Crying Days“, „In your Park“ und „Yellow Raven“, und hier empfand ich die Stimme des Sängers als sehr stark. Eher weniger gut in der Richtung waren dann die Titel, wo Uli das Mikro übernahm, man merkt hier, dass er kein Sänger ist, weshalb Nummern wie „Hell cat“ oder „Polar nights“ nur musikalisch magisch waren und ob der Gitarrenkünste für offene Münder sorgten. Der letzte Part des dreigeteilten Sets bot dann noch Songs von „In Trance“ mit dem Titelsong bzw. „Sun in my Hand“ sowie der Protometalnummer „We’ll burn the Sky“ mit knallharter Gitarrenarbeit bei der dann auch die Skygitarre wieder zum Einsatz kam und der zweite Gitarrist glänzen durfte von der dritten Scorpions Scheibe „Taken by Force“ an der er mitbeteiligt war. Einen zweiten Minuspunkt darf man allerdings am Ende doch nicht unter den Tisch fallen lassen: Die beiden weiteren Songs, die sonst überall gespielt wurden zum Ausklang, „The Sails of Charon“ bzw „All along the Watchtower“ wurden komplett weggelassen. Vermutlich bedingt durch den Auftritt beim Rock Hard Festival am nächsten Tag in Gelsenkirchen, musste früher beendet werden, was man aber auch durch eine Verkürzung der Pause, oder das Weglassen der „Werbeveranstaltung“ wie ein Konzertbesucher meinte, auffangen hätte können. Ist aber am Ende des Tages Jammern auf höchsten Niveau bei dem sonst starken rund 100 Minuten langen Konzert. (HJH)