Krankheitsbedingt entfallen 2026 die Live-Konzerte von Raith & Blaimer – das heißt aber nicht, dass es keine musikalischen Aktivitäten gibt, so hat Andreas Blaimer gerade erst ein neues Album veröffentlicht. „Farbflucht Session“ von Andreas Blaimer ist allerdings kein Album im klassischen Sinn, sondern eher eine atmosphärische Klangreise zwischen Ambient, Improvisation und experimenteller Gitarrenmusik. Entstanden aus spontanen Sessions zu den „Farbflucht“-Bildwelten von Tanja Raith, wirkt das Werk wie ein musikalischer Begleitstrom zu einer Ausstellung – meditativ, frei und stark von Stimmung statt von Struktur geprägt. Die größte Stärke des Albums liegt in seiner konsequenten Atmosphäre. Blaimer arbeitet mit schwebenden Gitarrenflächen, sparsamen Motiven und langen Spannungsbögen. Viele Passagen entfalten eine fast cineastische Wirkung: Man hört weniger Songs als Räume, Farben und Bewegungen. Besonders die längeren Stücke entwickeln einen Sog, weil sie nicht auf schnelle Höhepunkte setzen, sondern auf Geduld und Klangtiefe. Dadurch entsteht etwas sehr Intimes und Persönliches. Allerdings wirken diese Teile stellenweise wie Skizzen oder Momentaufnahmen, die bewusst unfertig bleiben. Wer klare Melodien, eingängige Refrains oder rhythmische Dynamik erwartet, dürfte Schwierigkeiten haben, Zugang zu finden. Manche Übergänge verlieren sich etwas im Atmosphärischen, sodass das Album über die volle Laufzeit von mehr als einer Stunde Konzentration verlangt. Interessant ist dabei, wie sehr Blaimer seine Rolle als Gitarrist erweitert. Die Gitarre dient hier kaum als klassisches Liedinstrument, sondern eher als Werkzeug zur Erzeugung von Texturen und Stimmungen. Das passt hervorragend zum Titel „Farbflucht“: Die Musik scheint Farben in Klang übersetzen zu wollen. Dadurch entsteht ein Werk, das weniger konsumiert als erlebt werden möchte. Fazit: das ist ein mutiges, eigenwilliges Album, das sich bewusst außerhalb gängiger Hörgewohnheiten bewegt. Für Hörerinnen und Hörer, die atmosphärische Instrumentalmusik oder improvisierte Klangkunst mögen, ist das Album eine spannende Entdeckung. Die „Farbflucht Sessions“ gibt’s auf Bandcamp als digitales Album, auf der Homepage von Raith & Blaimer als CD, dazu in besserem Mastering. (Eigenverlag) P.Ro
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