Ein Wort, das kommt immer wieder, wenn man mit Peter Schnurrenberger über sein zweites Ich spricht. Denn als Bühnenfigur, da strebt er danach, nicht wie einer zu wirken, der schutzbedürftig wäre und deshalb in „Plastikfolie“ verpackt werden muss. Nein, nein: Das Alter Ego des in Straubing Sozialisierten, der nach seinem Lehramtstudium in München mit seiner „Family“ hier in Regensburg gelandet ist, es sollte genau so heißen, dass jeder und jede sofort weiß, mit wem man’s zu tun hat. So, wie man sich beispielsweise vorstellt, wenn man gerade jemanden kennengelernt hat: Hi, ich bin der „Peter aus der Mozartstrasse“ (auf das gedoppelte „s“ legt er als Postpunk Wert). Aus dieser Formel hat er sich seinen Bühnennamen zurechtgeschnitzt. Und der gestattet es ihm, sein Leben aufzuspalten. Wie gesagt: Privat, da ist er leise und zurückhaltend. Er hört Klassik (insofern ist der Mozart in seinem durchaus ernst zu verstehen) und Filmmusik, bezeichnet „Piano-Man“ Billy Joel als seine älteste musikalische Vorliebe und schätzt vor allem: Wenn’s schön ruhig ist. Mit der Musik freilich ging für ihn schon sehr früh los. Aber auch da zeigt sich sein gespaltenes Wesen. Weil seine Mutter Klavierlehrerin ist und der Vater E-Gitarre spielt, war er vor die Wahl gestellt. Heute bereut er, dass er sich nicht für die Tasten entschieden hat – aber als Teenager war er schon bundesweit unterwegs, und zwar mit den Punks von „Scarlet“. Auch da zeigt sich ein Muster: Er spielt Bass und nicht Gitarre. Und ist alles andere als ein nach vorne drängender Frontmann. Später, bei anderen Projekten, hielt er es ähnlich: Auf der Bühne agierte er eher als Randfigur. Im Hintergrund aber, da entwickelte er sich zum kreativen Kopf.

Seit er sich vor rund vier Jahren entschieden hat, solo durchzustarten, ist alles anders. Im Radio auf Bayern 3 läuft seine Nuller-Jahre-Hommage „MTV“ in der Rotation. Darin stellt er seinem juvenilen Mauerblümchendasein die Figur des „Bam Margera“ gegenüber – eines in der Serie „Jackass“ zu Ruhm gelangten Skateboarders. Und wenn „Peter aus der Mozartstrasse“ live auftritt, dann muss er am Tag danach meist einen Termin bei seinem Physiotherapeuten buchen. Weil er sich vor Publikum komplett verausgabt. Und dabei so rumspringt und headbangt, dass seine Halswirbel wieder eingerenkt werden müssen. Trotz aller anfänglichen Nervosität und Unsicherheit hat „Peter aus der Mozartstrasse“ heute seine Rolle als Mittdreißiger gefunden. Er ist unterwegs auf Tour und supportet dabei bekannte Acts. Seine neue LP, die den schönen Titel „Ich geh schwimmen – Ihr geht baden“ trägt, beweist: Auch auf Konserve ist diese explodierende Bühnenfigur alles andere als ein in Plastikfolie verpackter Leisetreter. In „Rage Mode“ (was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Ausrast-Modus“) rappt er über einen Sonntagsfahrer, von dem sich nicht nur das lyrische Ich so provozieren ließ, dass es in „Mega-Stress“ geraten ist. Auch dem echten Peter Schnurrenberger wurde kürzlich für einen Monat der Führerschein entzogen. Aber das ist es, was diesen zum Solo-Künstler gereiften Musikfanatiker ausmacht: Er übersetzt sein Leben in Songs und in Lyrics, ermächtigt sich selbst und macht daraus selbstbewusste Kunst. Und bezieht daraus die Kraft, die er braucht, um live auf der Bühne zu explodieren. Ende April war er im Underground der Mälze mit seiner Band zu erleben, zur Album-Release-Party. Führerschein brauchte er dafür keinen, denn er ist ja gleich ums Eck daheim. Aber das wissen ja eh alle. Und weitere Konzerte stehen an. (Peter Geiger)


