altemaelze

Chance Worth Taking

Marc Broussard

Eindrucksvolle 14-Song-Kollektion!

Mr. Broussard ist seit dem Jahr 2002 eine Marke für Bluesfreunde. Insider kennen ihn u.a. von seinem Beitrag auf dem Bruce Springsteen-Tribute-Album „Light of the Day“ von 2003. Seine Alben sind – sowohl vom Material als auch vom Klang her – sehr stark von der Blues- und Soulmusik der 1960er und 1970er Jahre geprägt. Und seit Tausendsassa Bonamassa beim 2023 Album „SOS 4 Blues for Your Soul“ mit an Bord bzw. im Studio war, ist die Liga geklärt; natürlich spielt auch dieses neue Album in der musikalischen Champions-League. „Chance Worth Taking“ ist die zweite Zusammenarbeit des Teams um Marc Broussard und Joe Bonamassa. Sie knüpft an die spürbar gute Synergie von 2023 an. Broussard vollzieht damit auch einen klaren Schnitt – und zugleich eine Rückbesinnung: Es ist das erste Album des Sängers aus Louisiana, das ausschließlich aus selbst geschriebenem Blues-Material besteht. Erscheinen wird die 14 Songs starke Sammlung am wieder über KTBA Records. Produziert wurde das Album von Joe Bonamassa, Josh Smith und Calvin Turner – ein Kreativzirkel, der Broussard nicht nur begleitet, sondern herausfordert. Bonamassa steuert auf zehn Tracks sein markantes Gitarrenspiel bei, inklusive mehrerem Co-Songwriting mit Broussard. Smith ist auf vier Songs präsent, Turner schrieb an zehn Stücken mit und prägt zudem die üppigen Streicher- und Bläserarrangements. Dazu Broussard: „Das Songwriting fühlte sich an wie ein Fiebertraum aus Kreativität und Inspiration. Joe und seine Band gehören zu den besten Musikern der Welt – alles fügte sich nahtlos zusammen. Eine unglaubliche Woche mit einer außergewöhnlichen Gruppe von Menschen“.  Mit den ersten Singles „No More“ und „Fever“ öffnet Broussard die Tür zu dieser neuen Phase. „No More“ ist eine weit ausholende Blues-Ballade mit filmischer Wucht, getragen von Streichern und Bonamassas schwebender Gitarre. „Fever“ hingegen gleitet mit modernem Roadhouse-Groove voran: funky Rhythmusgitarren, scharf gesetzte Bläser, Smiths bissige Leads – und ein Beat, der nicht locker lässt. Zwei Songs, die die Spannweite des Albums präzise abstecken. Und so sehr Chance Worth Taking eine stilistische Wende markiert – Broussards Handschrift bleibt unverkennbar. Sein „Bayou Soul“-Gesang, rau und geschmeidig zugleich, hält alles zusammen: wuchtige Shuffle-Nummern, flehender Soul-Blues, horngetriebener Blues-Rock und Funk mit Mardi-Gras-Schlagseite. Entstanden ist das Album aus einem Impuls heraus: Calvin Turner schlug ein reines Blues-Projekt vor und schickte Broussard 15 Instrumentals. Was folgte, war ein Ausnahmezustand.„Ich stand um sechs Uhr morgens auf und schrieb bis elf Uhr abends. Im Studio war ich klatschnass geschwitzt wie ein Besessener“, erinnert sich Broussard. Drei Tage später waren die Songs fertig – im Studio wurden sie gemeinsam mit Bonamassa weiter geschärft. Die Platte lebt von Entdeckungsfreude. Da sind Big-Band-Anleihen im B.B.-King-Geist („Let Me Take You Out Tonight“), Bläser-Riffs und improvisatorisches Feuer in „Blame“ – inklusive Spielfreude von Bonamassa, Smith und Rock-and-Roll-Hall-of-Famer Reese Wynans. „These Walls“ kanalisiert 80s-Drama, während Bonamassa ein Solo abliefert, das ebenso cineastisch wie explosiv ist. Fans des klassischen Broussard-Sounds finden Halt in den Soul-Balladen „Chance Worth Taking“ (mit gospelgetöntem Refrain) und „Sweet Love“. Das Finale gehört New Orleans: „Laissez Les Bons Temps Rouler“, co-geschrieben mit Trombone Shorty, schickt das Album tanzend nach Hause. „Es ist Zeit für meine Bluesman-Phase. In diesem Lebensabschnitt gehe ich voll darin auf“, sagt Broussard dazu – und da hat er Recht!. (KTBA) P.Ro

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal