Der Nürnberger Impressario Peter Harasim vom „Hirsch“ bezeichnete den Auftritt des 81jährigen Mitch Ryder als den besten, den er je erlebt habe. Und er hat ihn oft live gehört. Meine Ohren vielleicht fünf Mal. Aber ich habe ihn noch nie so viel auf der Bühne lachen sehen, wie auch in den Konzertfotos dokumentiert. Backstage soll er überaus locker gewesen sein und viele Witze gerissen haben. Natürlich hat er im so hohen Alter nicht mehr das Stimmvolumen früherer Jahre, aber die Inbrunst und Empathie, mit der er das nur von Keyboarderin Lea Worms begleitete „If You Need The Pain“ trotzdem noch schmachtete, ließ viele innerlich vor Ehrfurcht niederknien. Alleine das wäre den Abend wert gewesen! „Hot House“ und „War“ waren gleich zum Aufkick zwei pulsierende Duftmarken seiner diesjährigen „Songs From The Road“-Tour. Altersbedingt bleibt Mitch inzwischen zwar auf seinem Stuhl vor dem Mikrofon sitzen, aber im Kopf und musikalisch tobt er noch immer voller Agilität über die Tonleiter. Bei „Red Scarf Eyes“ lieferten sich die geniale Laura Chavez und Sean Athens ein Duell mit gegenläufigen Gitarren. „Liberty“ blubberte ziemlich heiß und bei „Tough Kid“ traten alle mächtig auf das Gaspedal. Unterstützt wurde Mitch Ryder von einer US-Band, die ihn auf den Punkt immer dorthin schob, wo er draufsatteln konnte. Neben den drei genannten gehörten zur Combo noch Denis Palatin an den Drums und Bassist Tomek Germann, den er in der Anmoderation feixend als „Tomahawk“ vorstellte. Auch „One Monkey“ nutzte er zum lockeren Herumalbern. Höhepunkt aber war als Schlussnummer ein fünfzehnminütiges „Soul Kitchen“, welches mehr als nur ein „Doors“-Cover buchstäblich zelebriert wurde. Nach Tourende wollen alle ins Studio und ein neues Album aufnehmen – man darf mächtig gespannt sein! (Bernd Schweinar)


Die ganze Bilderstrecke im zweiten Teil der Mitch Ryder-Galerie hier:
https://www.allmusic.de/bildergalerie/ryder-mitch/


