Album #5, das selbstbetitelte „Temple Balls“, der Finnen ist eine etwas bittersüße Angelegenheit, nachdem Ende Oktober 2025 Gitarrist Niko Vuorela einem Krebsleiden erlag. Umso schöner ist es zu hören, dass die Band mit dieser Scheibe ein kleines Meisterwerk des melodischen, skandinavischen Hard Rocks unter die Leute bringt. Extrem ansprechend von Jona Tee (u.a. HEAT, Fighter V oder Crowne) produziert, sitzt hier jeder Refrain, der melodiöse Gesang schmeichelt dem Ohr, flinke Gitarrensoli (leider in der Regel relativ kurz gehalten) laden den geneigten Rock Fan zum ‚Kopf nicken‘ ein und ab und an pumpt auch der Bass mal aus dem Hintergrund und gibt den Beat vor, wie man bei „Tokyo Lover“ oder „Soul Survivor“ gut nachhören kann. Nur der Drumsound ist halt Frontiers technisch immer wieder mal etwas klinisch, aber nicht zu störend. Die Songs ähneln sich relativ oft im Aufbau, aber bevor es dann irgendwie doch zu langweilig wird, legt man hie und da an Geschwindigkeit und Härte zu und bietet auch mal muskulöse Nummern wie „Hellbound“ oder „Chasing the Madness“ oder macht den Schweden von Royal Republic Konkurrenz mit der reichlich Keyboard-lastigen Nummer „There will be Blood“, die tatsächlich dennoch mehr Balls hat als die letzte, sehr gute“ Royal Republic Scheibe. Fans der 80er Jahre Foreigner horchen dann erstaunt bei „We are the NIght“ dem richtig coolen Saxophonsolo zu. Hat man auch nicht alle Tage. Meine Anhörempfehlung wäre allerding die stabile Europe Gedächtnisnummer „Living in a NIghtmare“, die die beste Gitarrensoloarbeit der ganzen Scheibe zu bieten hat. Echt toll und Fans der vorher bereits erwähnten Bands, aber auch von Treat, TNT, Eclipse und vor allem Kissin‘ Dynamite (Sänger Arde hört sich des Öfteren an wie Hannes Braun) und generell starker Hard Rock Mucke greifen hier bedenkenlos zu. Ach ja: Balladenfreunde gehen leer aus, was aber nichts macht und der Scheibe dennoch sechs Sterne beschert. Hoffentlich haut man nicht in den Sack und hält die Band trotz der tragischen Umstände am Leben. (Frontiers) HJH
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