Robin Trower ist als Gitarrenvirtuose schon seit Jahrzehnten auf den Bühnen der Welt zuhause und hat bereits Musikgeschichte geschrieben. Schließlich wirkte er auf den ersten fünf Alben der legendären Band PROCOL HARUM mit und verließ die Band 1971 um auf Solo-Pfaden – u.a. mit JACK BRUCE – zu wandeln. Robins Spiel zeichnet sich durch ein solides bluesiges Fundament und HENDRIX-typische Spielweisen aus. Das zeigt sich einerseits in seinen Riffs, aber auch in seinem Solospiel. Hier findet man häufig ein sehr aggressives Vibrato, gepaart mit einer furiosen und dreckigen Spielweise, wobei seine Phrasen häufig der Bluestonleiter entspringen. Der inzwischen über 80-Jährige ist noch immer aktiv und hat zuletzt 2025 mit „Come And Find Me“ ein neues Solo-Album veröffentlicht. Und das mit weiterhin überzeugender Musik. „In meinem Alter immer noch Musik zu machen und immer noch gute Sachen herauszubringen – das ist ein wahrer Segen.“ – so sein Kommentar dazu. Im Sommer 2025, beflügelt vom Erfolg seines neuesten Soloalbums („Trower ist ein Juwel“, schrieb Classic Rock), überquerte der Gitarrist den Atlantik für eine 25-tägige Tournee in dem Land, das ihn seit seinen Anfängen willkommen geheißen hat.
Fast 60 Jahre sind vergangen, seit Trower zum ersten Mal im Land der Freiheit auftrat, aber als britischer Gitarrenheld, der unter dem schiefergrauen Himmel Südlondons aufgewachsen ist, erinnert er sich noch immer an den Kulturschock. „Ich kam Ende der Sechzigerjahre zum ersten Mal mit Procol Harum hierher. Damals war es eine andere Welt“, sagt er. Nachdem Toningenieur James Kane an mehreren Veranstaltungsorten der Tournee Aufnahmen gemacht hatte, war es an Trower zu entscheiden, welche Auftritte für „One Moment In Time: Live In The USA“ verewigt werden sollten. Jede Show war ein Knaller, aber nach unzähligen Stunden intensiver Arbeit entschied sich Trower für das Material, das im ‚Music Box At The Borgata‘ in Atlantic City, New Jersey (14. Juni) und in der ‚Tupelo Music Hall‘ in Derry, New Hampshire (24. Juni) aufgenommen worden war. „Das neue Album enthält die besten Takes jedes Songs aus diesen beiden Nächten“, erklärt er. „Es geht um die Performance, aber auch um die Klangqualität. Man muss sorgfältig auswählen – ich habe mir viel angehört.“ Die 14 Songs umfassende Setlist ist ein kompakter Überblick über Trowers legendäre Karriere. Der Gitarrist schafft eine gelungene Balance zwischen zeitlosen Klassikern und neuen Songs, die seine Position als Künstler der Moderne widerspiegeln. Nicht weniger als vier Songs stammen aus seinem 1974 erschienenen, mit Gold ausgezeichneten Meisterwerk „Bridge Of Sighs“, das nach wie vor zu den besten Alben der goldenen Ära des Bluesrock zählt. „Diese Songs müssen dabei sein, weil sie die Favoriten des Publikums sind“, sagt er über die mitreißenden Interpretationen von „Too Rolling Stoned“, „Day Of The Eagle“, „Little Bit Of Sympathy“ und dem Titelsong von „Bridge Of Sighs“. „Dieses Album ist immer noch ein beeindruckendes Stück Musik.“ Weitere alte Favoriten sind „Daydream“ (aus seinem Solo-Debütalbum „Twice Removed From Yesterday“ von 1973) und „Somebody Calling“ (aus „In City Dreams“ von 1977). An anderer Stelle spielt Trower seine Trümpfe aus und überrascht mit „Rise Up Like The Sun“ (aus „20th Century Blues“ von 1994) und „Distant Places Of The Heart „(aus seiner Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Cream-Bassist Jack Bruce, „Seven Moons“, von 2007). Trower ist kein Künstler, der sich auf sein Erbe stützt, und die Begeisterung ist genauso groß für die vier Songs aus dem Album „No More Worlds To Conquer” von 2022, ganz zu schweigen von seiner eindringlichen Interpretation von „One Go Round” (aus „Come And Find Me”). Aber wie der erfahrene Bandleader selbst einräumt, sind die Funken, die auf „One Moment In Time: Live In The USA“ sprühen, der Chemie zwischen seinem bewährten Power-Trio zu verdanken: einem dreiköpfigen Biest, das sich wie aus einem Guss durch die wechselnden Dynamiken und Taktarten des Sets bewegt, mit Richard Watts am Bass und Gesang und Chris Taggart am Schlagzeug. Es zeigt sich, dass für Robin Trower Bühne und Studio zwei Seiten derselben Medaille sind. Wenn man seine sechs Jahrzehnte umfassende Karriere verfolgt hat, kennt man jeden Song auf „One Moment In Time: Live In The USA“ – aber auch jüngere Stoner Rock-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten. „One Moment In Time: Live In The USA“ ist also ein Dokument von Robin Trower in Höchstform, das über die Lautsprecher zu Hause genauso kraftvoll wirkt wie für die Fans in der ersten Reihe. „Man möchte zumindest, dass sich das Publikum am Ende der Show gut unterhalten fühlt“, meint er. „Aber ich möchte wirklich, dass sie mit einem Hochgefühl nach Hause gehen. Ich möchte, dass sie auch emotional etwas davon mitnehmen …“ (Provogue Records) P.Ro
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