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Gerwin Eisenhauer Trio feat. Layla Carter

Kritik zum Konzert am 1. Februar im Leeren Beutel

Minimalismus mit dem Hang zum Maximalen. Und umgekehrt. Gerwin Eisenhauer überzeugt mit seinem Trio und der Gastsängern Layla Carter einen rappelvollen Leeren Beutel!

Dass ein Jazztrio den Namen des Drummers trägt, ist selten. Dass ein Drummer zwei Sets und eine extra Snare-Drum auf der Bühne stehen hat und so signalisiert, wie breit er aufgestellt ist, das ist mindestens ebenso selten. Wenn diese beiden Raritäten im Fall von Gerwin Eisenhauer sich aber zur Schnittmenge vereinen, dann ist klar: Es handelt sich bei dem Professor an der Hochschule für Kirchenmusik um etwas ziemlich Einzigartiges.

Und diese Singularität, sie trifft wiederum auf beide Spielarten zu, die an diesem Abend zu hören sind. Zum einen spielt das Trio mit dem Pianisten Michael Hornek (seit 15 Jahren ist der in Wien lebende Tiroler im Hauptberuf bei Doldingers Passport tätig und versteht sich seinerseits auf klassische wie zeitgemäße Spielarten an den Tasten) und dem Bassisten Christian Diener (einer der ältesten musikalischen Freunde des Bandleaders, in seiner Heimatstadt Nürnberg an der Hochschule für Musik als Professor fürs Bassfach tätig) gut Gealtertes aus dem Bereich Piano-Jazz. Das wird eingerahmt von Eisenhauers Lieblingsnummer „Nardis“ (eine Miles Davis-Komposition aus der modalen Phase in den späten 1950ern, die von Bill Evans auf seinem „Explorations“-Album berühmt gemacht wurde) und der Titelsong des 1962er Bill Evans-Albums „Waltz for Debby“. Das sind ruhige, elegische Kompositionen (die Schwarz-Weiß-Bilder evozieren, etwa von jenem winterlichen New York, in dem sich Holden Caulfield im Central Park auf die Suche nach den Enten macht – in Salingers „Fänger im Roggen“), die es Eisenhauer gestatten, sich an seiner Solo-Snare als sensibler Klangforscher zu erproben oder – wenn er hinüberwechselt, ans große Set, um seine Becken und Felle auf die Fülle rhythmischen Wohlklangs hin zu überprüfen.

Diese feinen Studien werden vor und nach der Pause ergänzt von dancefloor-tauglichen, elektronischen und hiphop-inspirierten Improvisationen – bei denen die magische Layla Carter die Bühne betritt. Die 18-Jährige Music-College-Absolventin, sie verfügt nicht nur über ein sagenhaftes Bühnen-Charisma, sie rappt und singt zielsicher über die ausgestreuten monumentalen Rhythmusgeflechte, die Eisenhauer mit seiner digitalen Elektro-Batterie erzeugt. Und: In ihrer Stimme ist nicht nur die Verletzlichkeit einer Nina Simone aufbewahrt – auch die die Angriffslust einer Macy Gray kommt immer wieder zum Vorschein. Diese dem Minimalismus wie dem Maximalismus gewidmeten Erkundungen, sie ergeben in Summe eine einzigartig runde Angelegenheit. Sodass die tiefe Zufriedenheit auf den Gesichtern der Gäste keine Rarität ist – sondern Standard! Peter Geiger