altemaelze

Breathing

Esther Kaiser & Aleander Wienand

Kein typisches Jazz-Album

Esther Kaisers neuntes Album „Breathing“ ist kein typisches Jazzalbum; sie bricht hier tatsächlich zu neuen Ufern auf. Statt vertrauter Standards präsentiert die Sängerin eine eigenwillige Sammlung atmosphärischer Kompositionen, in denen Stimme, Klavier, Double-Bass und Flöte zu einem offenen, facettenreichen Klangbild verschmelzen. Mit ihrer wandelbaren Stimme erschafft die Sängerin einen Klangraum, in dem Jazz, Poesie und beinahe meditative Schwingungen miteinander verschmelzen. Kaiser singt nicht einfach Melodien – sie erforscht sie. Ihre Interpretation besitzt eine seltene Tiefe: mal zart und verletzlich, mal kraftvoll und archaisch, immer getragen von außergewöhnlicher Präsenz. Unterstützt wird sie dabei vom eigenwilligen Pianospiel Alexander Wienands. Seine oft überraschenden Wendungen, klanglichen Reibungen und fein gesetzten Leerstellen geben den Stücken eine besondere Spannung. Wienand begleitet nicht bloß, sondern tritt in einen intensiven musikalischen Dialog mit der Sängerin. Dazu kommt die passende Flöte von Tilmann Dehnhard, die dem Ensemble eine zusätzliche, lichte und zugleich warme Klangfarbe verleiht. Die Flöte wirkt dabei nie dekorativ, sondern fügt sich selbstverständlich in den Dialog zwischen Stimme und Klavier ein. So entwickelt „Breathing“ eine fast rituelle Wirkung. Die Musik nimmt sich Zeit, drängt sich nicht auf und entfaltet ihre Kraft gerade in den Zwischentönen. Esther Kaiser erweist sich dabei als „Schamanin des Jazz“: Sie führt durch ein Album, das weniger auf vordergründige Effekte als auf Atmosphäre und emotionale Resonanz setzt. „Breathing“ ist ein intensives, poetisches Hörerlebnis – eigensinnig, klangbewusst und voller leiser Nachwirkungen. (Double Moon Records) HuGe

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