Das neue Album der Mountain Goats ist eine glänzend produzierte und zugleich ausgesprochen witzige Auseinandersetzung mit Figuren und Mythen der Grunge-Ära. John Darnielle verbindet dabei seine gewohnt präzisen, emotionalen Texte mit einer musikalischen Bandbreite, die deren Zwischentöne kongenial aufgreift. Ursprünglich wollte Darnielle mit Days der Grunge-Kultur der 1990er Jahre das geben, was Goths einst der Gothic-Szene der 1980er gab: eine Art nachträgliche Würdigung der zu Unrecht Vergessenen. Doch das Album wächst über dieses Konzept hinaus. Es erzählt von Aufstieg, kommerziellem Erfolg, Scheitern und den Spuren, die Menschen hinterlassen – oft mit einem Blick darauf, was Kameras festhalten können und was nicht.
Besonders stark ist „Song for Layne Staley“, das vom spröden Lo-Fi-Sound der frühen Mountain Goats zu einem hymnischen Bandarrangement anwächst. Darin zeichnet Darnielle den Weg vom jugendlichen Überdruss zum Ruhm und schließlich zum Untergang nach. Auch musikalisch ist der Song ein Beispiel für die große Stärke des Albums: Darnielle lässt seine Botschaften immer wieder bewusst mit ihrer musikalischen Verpackung kollidieren. Diese Ironie prägt Days. „Candlebox“ verwandelt pathetischen Radio-Rock in eine fast spirituelle Trauerzeremonie, während andere Songs mit bewusst süßlicher oder überladener Instrumentierung spielen. Nicht alles funktioniert: Manche Refrains werden zu oft wiederholt, und „Last Day“ bleibt trotz interessanter Idee hinter den stärkeren Abschiedssongs der Band zurück. Days setzt auf detailreiche, elegante Produktion. Bläser, Chorgesang, Piano und kleine improvisiert wirkende Momente geben den Songs zusätzliche Tiefe. Gerade darin liegt der Reiz: Die Mountain Goats feiern nicht mehr nur ihre erschöpften Außenseiter, sondern entdecken auch Zuneigung für Gewinner, Ausverkäufer und Menschen, die einfach ein paar sorgenfreie Tage erlebt haben. Unter dem glänzenden Sound bleibt so der vertraute weiche Kern der Band erhalten. (Cadmean Dawn) Pitchfork
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