Mit „ONLY HITS“ gelingt Lisa Wahlandt, Paulo Morello und Sven Faller ein Kunststück: Das Trio nimmt sich bekannte Klassiker aus Pop, Soul, Folk und brasilianischer Musik vor – und macht daraus intime, überraschende Miniaturen. Statt auf nostalgische Effekte zu setzen, öffnet das Album den vertrauten Songs neue Räume. Reduziert im Setup, aber erstaunlich farbenreich, klingt die Produktion modern, akustisch und zugleich ausgesprochen groovig.
Im Mittelpunkt steht Lisa Wahlandts Stimme: warm, klar und unmittelbar. Sie behandelt die Songs nicht wie museale Klassiker, sondern wie lebendiges Material, das neu entdeckt werden will. Ihre Interpretationen besitzen Leichtigkeit und Haltung, manchmal einen Augenzwinkerer, manchmal eine berührende Direktheit. Gerade dort, wo die Originale längst im kollektiven Gedächtnis verankert sind, wird ihre eigenständige Handschrift besonders deutlich. Das zeigt sich eindrucksvoll bei „Bridge Over Troubled Water“. Aus dem großen, pathetischen Klassiker wird eine leichte, farbenreiche und energievolle Trio-Version. Wahlandt beschreibt die Idee dahinter als den Wunsch, Unterstützung und Hilfe nicht schwer und dramatisch, sondern „sinnvoll, freudig und dankbar“ zu feiern. Das Arrangement setzt genau dieses Versprechen um: Es nimmt dem Song nichts von seiner Botschaft, verleiht ihr aber eine überraschend helle Perspektive. Auch „I Will Survive“ erfährt eine bemerkenswerte Neudeutung. Entschleunigt und eng am Text erzählt der Song weniger von kämpferischer Attitüde als von Selbstbestimmung und einer bewussten Entscheidung für sich selbst. „Fever“ wiederum wird aus seinen bekannten Klischees herausgelöst und erhält eine zeitgemäße, selbstbewusste Note. Paulo Morello erweist sich dabei als kongenialer Partner. Der renommierte Jazzgitarrist verbindet elegante Jazz-Voicings mit einer erdigen, songdienlichen Spielweise. Besonders bei „Don’t Think Twice, It’s All Right“ zeigt sich seine Stärke: Blues- und Akustikgitarren, filigrane Klangfarben und ein samtig-präziser Ton schaffen eine Atmosphäre, die lässig und zugleich ausgesprochen detailreich wirkt. Morello begleitet nicht einfach – er erzählt mit, setzt Kontraste und lässt den Melodien Raum zum Atmen. Sven Faller bildet das warme, pulsierende Fundament. Sein Bassspiel verbindet die unterschiedlichen Stimmungen des Albums und sorgt dafür, dass die Reduktion nie nach musikalischer Enthaltsamkeit klingt. Im Gegenteil: Faller gibt den Arrangements Groove, Tiefe und Beweglichkeit. So entsteht aus nur drei Instrumentalisten ein erstaunlich vielschichtiger Klangkörper.
Überhaupt lebt „ONLY HITS“ von der Kunst, mit wenigen Mitteln viel zu erzählen. Handclaps, Mouthclaps, mehrstimmige Vokalideen und kleine rhythmische Verschiebungen reichen aus, um aus den bekannten Vorlagen neue Klangbilder entstehen zu lassen. Bei „Wonderful World“ verwandeln Stimme und Ukulele das vermeintlich kleine Arrangement beinahe in ein „Duo-Orchester“ – verspielt, charmant und mit einem Arrangement, das lange nachwirkt. Für zusätzliche Farben sorgen Gastmusiker wie Andreas Hinterseher am Akkordeon, Chris Gall am Fender Rhodes, Henning Sieverts am Bass und Marco Lobo an der Percussion. Sie erweitern das Klangspektrum punktuell, ohne den intimen Charakter des Albums zu überdecken.
Eine besondere Stellung nimmt „Wave by Wave“ ein, die einzige Originalkomposition des Albums von Paulo Morello und Lisa Wahlandt. Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich sich der Song zwischen den Klassikern behauptet. Er klingt nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein Stück, das schon immer Teil dieser musikalischen Welt gewesen sein könnte. „ONLY HITS“ ist damit weit mehr als eine Sammlung gelungener Coverversionen. Das Album lebt von der Freude am gemeinsamen Musizieren, vom genauen Zuhören und von der Bereitschaft, vertraute Songs zunächst klein zu machen, um ihre eigentliche Größe wieder sichtbar werden zu lassen. Lisa Wahlandt, Paulo Morello und Sven Faller spielen nicht gegen die großen Vorbilder an – sie begegnen ihnen auf Augenhöhe. Das Ergebnis ist eine Produktion mit Charakter, Groove und großer Nähe. Musik, die nicht auf Distanz beeindrucken will, sondern direkt ans Ohr und von dort aus weiter ins Herz findet. (GLM) P.Ro *****
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