Auf den ersten Blick haben der Nationalökonom Adam Smith und die Kabarettistin Martina Schwarzmann nichts miteinander zu tun: Der eine ist längst tot und obendrein Brite. Die andere ist quicklebendig und eine quietschvergnügte Bayerin. Dennoch lohnt es sich, ihre Glückskonzepte zu vergleichen: Denn der Theoretiker der „unsichtbaren Hand“ war es schließlich, der postulierte, dass sich gesellschaftliches Glück dann maximiert, wenn jeder einzelne die Möglichkeit hat, seine eigene Zufriedenheit zu steigern. Trübsalblasende Individuen werden auch im Kollektiv keine Jubelarien schmettern. Martina Schwarzmann, die als 20-Jährige Gitarre lernte und den Schritt auf die Bühne wagte, sie ist heute wohl da angekommen, was man als maximal glücklich bezeichnen kann: Denn sie kann machen, was sie will. Und dabei folgen ihr so viele Menschen – an diesem Abend im Prüfeninger Schlossgarten waren’s rund 2.000 – dass sie alles dafür tut, diese Zahlen vor ihren vier Kindern im Alter zwischen fünf und 14 geheim zu halten. „Die wollen sonst bloß ein Pony!“ Großer Lacher und Szenenapplaus.

Womit schon erklärt wäre: Die in Fürstenfeldbruck (sie „Woid“ sagt, egal, ob sie die „Welt“ oder den „Wald“ meint) geborene Künstlerin, sie erzählt viel von daheim, vom EDEKA, von Unterhosen in der Jeans, ihren Ex-Freunden und dem Niedergang ihrer Körbchengröße. Dabei weiht sie uns, das Publikum, in ihre intimsten Geheimnisse ein. So dass man meinen könnte: Das ist ja meine beste Freundin, die da vorne sitzt. Monologisierend und singend gelingt es ihr, in einen intensiven Dialog mit uns zu treten. Das Glücksrezept der Martina Schwarzmann beruht freilich auch auf einem großen Maß an Pragmatismus: Sie ist alles andere als eine Prinzipienreiterin, wie sie gleich in ihrem Begrüßungssong „I sing fia olle“ mitteilt: Es ist ihr egal, welcher Partei oder welchem Fußballverein wir anhängen. Als sich der Uhrzeiger nämlich schon gefährlich auf die Sperrstunde 22 Uhr zubewegt und Veranstalter Alex Bolland mit dem Zeigefinger auf sein linkes Handgelenk deutet, da entscheidet sie kurzerhand, das Werben um Zugaben einfach ausfallen zu lassen und stattdessen weiterzusingen.
Es gibt auch Menschen, die rümpfen die Nase, teilt man ihnen mit, man sei bei Martina Schwarzmann gewesen. Tatsächlich könnte man meinen, in all den kolportierten Geschichten vom Dorf und daheim, da blitze am Ende nichts anderes auf als der Boden eines Nudelsuppentellers. Aber: Der glücksbegabten Martina Schwarzmann gelingt es, auch während der Eingeweideschau des eigenen Mikrokosmos den Blick über den Tellerrand des heimischen Verkehrskreisels schweifen zu lassen – etwa, wenn sie sich über Schulpädagogik äußert und dabei beklagt, dass das, was man früher Lebenspraxis genannt hat, nicht im Lehrplan steht. „Ohne Stricken keine Chirurgie!“ Dabei zitiert sie nicht nur den Merksatz, dass „ein Kind, des nix deaf, ein Erwachsener wird, der nix ko“. Sondern erzählt auch noch eine weise Anekdote aus ihrer Kindheit: Sie und ihr Bruder seien einst in der Badewanne in heftigen Streit geraten. Sie konnten die Urheberschaft unangenehmer Gerüche partout nicht klären und machten sich gegenseitig verantwortlich. Unterdessen aber habe Tante Helga seelenruhig der von viel Schaum und Tränen begleiteten Rauferei zugesehen. Und am Ende den Konflikt mit salomonisch anmutenden Satz geklärt: „Hod‘s überhaupt blubbert, bevor‘s gstunga hod?“
Das ist die große Kunst der Martina Schwarzmann: Sie lässt uns durch ihr Schlüsselloch blicken – und offenbart damit einen Blick auf das, was Philosophen die „conditio humana“ nennen. Also jene Wesensmerkmale, die uns Menschen im Innersten zusammenhalten. Martina Schwarzmann? Sie soll auch in Zukunft das machen, was sie will! Das kann sie am besten! (Peter Geiger)


