altemaelze

Born to kill

Social Distortion

Starkes Comeback nach jahrelanger Recording-Pause

Nach 15 Jahren Funkstille melden sich Social Distortion mit „Born to Kill“ zurück – und das Album klingt genau so, wie man es sich nach einer derart langen Pause erhofft und gleichzeitig befürchtet hat: vertraut, abgekämpft, trotzig und erstaunlich lebendig. Zwischen Krankheit, verschobenen Sessions und dem Druck, „das Album der Karriere“ abzuliefern, stand vor allem Frontmann Mike Ness unter enormer Spannung. Genau diese Mischung aus Erschöpfung und Überlebenswillen zieht sich durch die elf neuen Songs der Band aus dem kalifornischen Orange County.

Musikalisch bleiben Social Distortion ihrer DNA treu: dreckiger Punkrock mit Rockabilly-, Americana- und Classic-Rock-Einschlag. Das ist keine Revolution, sondern eine Rückkehr zur eigenen Legende. Schon der Titelsong „Born to Kill“ macht klar, dass Ness immer noch dieser knurrige Straßenpoet ist, der Rebellion eher lebt als inszeniert. Die Gitarren sind fett, die Soli melodisch wie eh und je, und selbst die Midtempo-Nummern tragen diesen typischen staubigen Highway-Charme in sich. Kritiker loben vor allem die Mischung aus Oldschool-Attitüde und gereifter Gelassenheit. Besonders stark sind die ersten vier Songs: „No Way Out“, „The Way Things Were“ und „Tonight“ entwickeln eine Dringlichkeit, die man der Band nach anderthalb Jahrzehnten kaum noch zugetraut hätte. Gerade „Tonight“ wirkt wie ein spätes Karriere-Highlight – melancholisch, hymnisch und ehrlich. Auch das Chris-Isaak-Cover „Wicked Game“ funktioniert überraschend gut, weil Ness den Song weniger romantisch als resigniert interpretiert – eine gelungene Mischung aus Härte und Altersweisheit. Das Album verliert allerdings in der zweiten Hälfte etwas an Tempo und Wiedererkennungswert. Einige Songs wirken eher wie solide Social-Distortion-Standards als echte Spätwerks-Offenbarungen. Zudem kritisieren manche einen zu kompakten, mittenlastigen Mix, bei dem die Gitarren die Vocals teilweise überdecken. Trotzdem bleibt am Ende ein starkes Comeback. „Born to Kill“ erfindet Social Distortion nicht neu – und genau das ist seine größte Stärke. Die Platte klingt wie eine Band, die nichts mehr beweisen muss, aber trotzdem noch etwas zu sagen hat. Nach 15 Jahren Pause hätte dieses Album leicht zu nostalgischer Selbstkopie werden können. Stattdessen liefern Social Distortion ein ehrliches, raues und erstaunlich emotionales Alterswerk ab, das vielleicht nicht ihr bestes, aber ein Album ist, das eine Fortsetzung des hohen Niveaus darstellt, für das Social Distortion und damit auch Ness schon lange gelobt werden. Mike Ness baut den Mythos weiter aus, dass Social Distortion mehr als nur eine Punkband ist. Nach fast fünf Jahrzehnten in ihrer Karriere und mit einem bemerkenswerten Katalog, der fast drei Generationen umspannt, deuten Social Distortion damit an, dass sie nicht die Absicht haben, in nächster Zeit kürzer zu treten. (Epitaph) P.Ro

*****

******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal