Faszinierend was Neudi für das Golden Core Label immer so ausgräbt. Bands, die ich nicht kenne, so wie jüngst Iron Age aus Elmshorn, die es leider nur zu einer 4 Track-EP mit dem Titel „Concusion oft he Brain“ gebracht haben, die 1995 auf den Markt kam und auch durch die Besetzung mit zwei Frauen und zwei Männern besonders war. Zur damaligen Zeit eher eine Seltenheit, war der Metal doch eher eine Männerdomäne.. Musikalisch ist das durchweg vorzüglich gespielter Melodic Techno Thrash mit minimalen Progressive Metal Einflüssen vor allem bei den wenigen überlangen Songs mit einer extrem basslastigen aber dennoch guten Produktion, das sehr gute Remastering hilft auch ungemein, und wirklich famoser Gitarrenarbeit inklusive geschmackvoller Soli. Die Rhythmusarbeit wäre international konkurrenzfähig gewesen und die Drums tönen sehr natürlich. Die Drummerin Ines Baum, damals auch die Managerin, ist heut noch aktiv mit ihrer aktuelle Band Anima und einer eigenen Musikschule. Ein Hindernis für höhere Weihe könnte der wirklich abgefahrene Gesang gewesen sein – irgendwo zwischen Risk, Realm im normalen Frequenzbereich und dann in der schrillen Kopfstimme eher eine Mischung aus Warrel Dane und King Diamond. Das braucht dann schon gute Nerven, wenn im Song immer wieder hin und her gesprungen wird. Ruhiges Liedgut ist hier Fehlanzeige, denn allenfalls gibt es mal eine kurze Akustikgitarrenpassage, gut zu hören bei „Enslaved Planet“ wo auch der Gesang bzw. der Background Gesang sehr melodisch daherkommen. Ansonsten regiert der Thrash Metal. Wer sich eine Mischung aus Atheist, Watchtower, Realm, VoiVod und den Italienern von Nuclear Simphony vorstellen kann weiß in etwa wie sich das dann anhört. Gerne mal frickelig mit Songs über der fünf Minuten Marke. Das unveröffentlichte Album von 1998, das als Bonus enthalten ist und vermutlich „Eternal Life – Eternal Pain“ heißen sollte klingt im Großen und Ganzen aufgeräumter bzw. erwachsener was vermutlich mit den Line up Wechseln zusammen hängt. Leider schweigt sich der Promozettel aus, wer durch wen ersetzt wurde. Der Sänger blieb der gleiche würde ich mal sagen. Ab und probiert er hier dann stimmlich auch mal was aus, so dass die reinen Thrashnummer „A Rich man’s gain“ bzw. „Dance with the Society“ total nach 90er Jahre Testament bzw. Chuck Billy klingen. „Humans“ wiederum, schleppend und leicht ruhiger, schlägt voll in die Sanctuary Kerbe während das einzig „ruhige“ Stuck „Sho’s to Decide“ ob des wieder schrillen Gesangs an „Unstoppable Force“ von Agent Steel denken lässt. Queen, Rainbow, Helloween etc. als Einflüsse, wie im Promozettel beschrieben, höre ich aber nicht wirklich raus und zum Booklet kann ich nichts sagen, da es mir leider nicht vorliegt. Dennoch fünf starke Sterne für knapp 76 Minuten tolle Mucke von einer Band, die es sicher weiter hätte, wäre nicht bald Schluss gewesen wegen interner Streitigkeiten. (Golden Core/Zyx) HJH
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