Neun Jahre nach dem Ende der klassischen The Sweet Ära trat Langzeitgitarrist Andy Scott mit einer neuen Besetzung ins musikalische Rampenlicht zurück und veröffentlichte 1991 die Scheibe „A“. Im Zuge dessen begab sich der Tross auf Tour und schnitt dabei den Auftritt am 19. November 1991 in Hannover mit. Dieser wird nun Mitte Juni erstmalig als Solo-Veröffentlichung, remasterd und restored, unter das Volk gebracht (bis dato gab es den Auftritt nur auf einer lange vergriffenen VHS und einer ebenfalls nicht mehr erhältlichen 4 CD Box aus Holland mit dem Titel „Hannover Sessions“) und stellt neben der kürzlich erschienen „Reincarnation“, hier mit den wenigen aufgenommenen Liedern mit Paul Mario Day als Sänger, eine weitere sammelnswerte Veröffentlichung dar. Der Sound ist für eine 35 Jahre alte Liveaufnahme wirklich vorzüglich, auch wenn Sänger Mal Mcnulty (er wurde später ab 2005 – 2019 Sänger bei Slade) eine etwas gewöhnungsbedürftige Stimmfärbung hat und mit Brian Conolly gesanglich nicht ganz mithalten kann (aber da noch deutlich besser bei Stimme war als beim gruseligen letztjährigen Auftritt bei „Rock meets Classic“) und etwas weiter im Hintergrund im Mix zu sein scheint. Da die Background Gesänge aller Bandmitglieder vom Feinsten sind, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Andy Scott spielt eine vorzügliche Gitarre, macht auch im Solobereich eine tolle Figur (angestachelt wohl von Steve Mann, u.a. MSG, der hier ebenfalls formidabel in die Saiten langt und auch coole Keyboards spielt: „Set me Free“ hat hier total was von Deep Purple, was man beim extrem harten „Cockroach“ (eher selten gespielte Nummer von „Give us a Wink“) mit Soloduell, jeder ein einzelnes Solo und dann zu einem Thin Lizzy Gedächtnis Twin Guitar Solo kumuliert, sehr gut nachhören kann. Bodo Schopf (ebenfalls u.a. MSG) rührt die Kessel in klassischer Manier und nur der Bass von Jeff Brown (von der mir unbekannten NWOBHM Band „Wildfire“ bzw. heutzutage bei „Cats in Space“) geht insgesamt etwas unter (nur beim Abschlusssong „The Ballroom Blitz“ darf er auch mal im Rampenlicht schienen). Erstaunlich an der Setlist ist, dass vom bereits erwähnten „A“ keine Nummer gespielt wird. Eher greift man logischerweise auf die bekannten The Sweet Gassenhauer zurück (weiterhin „Burn on the Flame“ „Hellraiser“, „The Six Teens“, „Action“, „Love is like Oxygen“; diese AC/DC Deep Purple usw. Gitarrenanspielungen brauch ich aber nicht wirklich, „Blockbuster“, „Teenage Rampage“ und „Fox on the Run“), die auch heute noch Bestandteil jedes Konzertes der Band sind. Eher selten gab es zumindest damals „AC/DC“, „Sweet F.A:“ (beide von „Sweet Fanny Adams“) und die coolste Nummer, das eher eingängig poppige „X-Ray Specs“ (reine Single Veröffentlichung), auf den Bühnen zu bewundern. Unterm Strich ist das eigentlich eine wirklich schöne Veröffentlichung wären da nicht zwei gewichtige Kritikpunkte von meiner Seite. Zum einen stellt sich mir die Frage, warum man nicht gleich auch noch die VHS auf DVD (BluRay macht bei dem Ausgangsmaterial sicher keinen Sinn) transferiert hat und zum anderen, warum hier auf der neuen CD der Song „Lady Starlight“ (von „Desolation Boulevard“) weggelassen wurde, der erst ab 2014 wieder ab und zu in einer Setlist aufgetaucht ist und in der Besetzung nur wenige Mal performed wurde. Auf der VHS ist er jedenfalls enthalten und bei 68 Minuten Laufzeit hätte der noch locker drauf gepasst, zumal man auch alle Ansprachen ans Publikum usw. (bis auf die Bandvorstellung) komplett entfernt hat. Von meiner Warte aus dennoch fünf Sterne und eine Kaufempfehlung an alle Rock/Hard Rock Fans und natürlich alle The Sweet Fans, die kein Problem damit haben, wenn nur noch ein Mann von der Fast-Urbesetzung am Start ist. Zu den Linernotes kann ich leider nichts sagen, da sie mir nicht vorlagen. (Metalville) HJH
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