Progressive Black Metal nennt die Band IATT aus Philadelphia ihr Genre. Und ja, das kann man so stehen lassen. Der geneigte Hörer der neuen, vierten Scheibe „Etheric Realms of the Night“ sollte auch auf alle Fälle ‚open minded‘ sein. Gesanglich bewegen wir uns in der Schnittmenge von Black Metal artigem Gekreische und dem eher typsichen Death Metal Gegrolwe, wobei der Sänger hier beides richtig gut beherrscht. Die sieben Songs sind bis auf das instrumentale Abschlussstück „Hypnos“, das mich an den Twin Peeks Soundtrack von Angelo Badalamenti erinnert, mit nur Piano, Streichern und einer mir unbekannten Rede von Martin Luther King oder so, extrem lang ausgefallen. Sie borden über vor Einfallsreichtum mit Klavier, Flöten, Streichern, einem Saxofon (mal nur als kurze Untermalung bei „To Lie Beneath“, mal als durchgehend präsentes Soloinstrument beim extrem bassigen „Walk amongst“) wo man schon sehr offen sein muss dafür. Mir gefällt es jedefalls sehr gut und ich kann mit dieser Mischung aus Wucan bzw. Jethro Tull („Quietus“ bzw. „Drift away“), Cradle of Filth, Dimmu Borgir, Atheist, Pestilence, aber auch mal Schräges wie frühere VoiVod („Somniphobia“) und Klassik sehr gut leben. Die verschiedenen Stlrichtungen harmonieren zumindest für meinen Geschmack sehr gut miteinander. Coole ruhigere Parts wechseln sich ab mit knüppeligen Passagen, wobei aber die Melodien nicht aus dem Auge verloren werden. Die starke Poduktion tut hier ein Übriges, genauso wie die technisch extrem hochwertige Band (allein die ganzen Klassikkomponenten sprechen hier eine deutliche Sprache). Allein die Gitarrenarbeit im Solobereich wäre noch etwas ausbaufähig. Ansonsten ist das wirklich sehr stark, extrem ansprechend (sollte also nicht im Auto nebenbei gehört werden) und sehr ungewöhnlich. Von meiner Warte aus gibt es mal sechs Sterne und eine absolute Kaufempfehlung für Hörer mit einem sehr breiten musikalischen Tellerrand. Ist sicher nicht jedermanns Geschmack. (Black Lion Records) HJH
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