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Günter Grünwald & Rad Gumbo

Kritik zum Konzert am 26. März in der Alten Mälzerei in Regensburg

Wenn sich der Siphonreiniger mit Zydeco paart

Gar nicht lang ist es her, da war Günter Grünwald mit seiner Comedy-Sendung jeden Freitag im Bayerischen Fernsehens zu sehen. Als er sich dann zum Jahresende 2025 auch noch von der Bühne verabschiedete, da befiel viele Fans doch so etwas wie Angst. Dass sich der aus Ingolstadt stammende „Botschafter des guten Geschmacks“, der über Jahrzehnte Bühnen-Benchmarks setzte, rar machen wird. Und dass jenes Kabarett, das unbestreitbare Wahrheiten auf ungeschminkte Weise ausspricht, ans Ende gelangt wäre.

Aber: Kaum hat sich der 69-Jährige verabschiedet, kehrt er im Frühjahr 2026 agil wie ein Flummi zurück. Und folgt so der ausgeklügelten Strategie, im Wegsein wieder da zu sein. Einerseits macht er sich‘s als Gitarrist am Bühnenrand bequem, und zwar als ziemlich souverän agierender Sideman in der Tradition eines, sagen wir, Eric Clapton oder J. J. Cale. Der konzentriert auf seiner Gibson L5S Custom – einem sehr selten anzutreffenden Liebhaberstück unter den E-Gitarren – seinen Senf dazugibt, zu „Rad Gumbo“ (was ein für New Orleans typisches, ziemlich scharfes Eintopfgericht ist). Aber, kaum sind seine Bandkollegen – im Zentrum sitzt, meist hinter seinem Akkordeon versteckt, Sänger Robert „Dackel“ Hirmer – verstummt, dann tritt jener altbekannte Günter Grünwald ins Spotlight. Und zwar mit seinen alle Dimensionen sprengenden Nummern, die nur in den ersten Takten als Ansage daherkommen. Egal, ob er von seinem Erlebnis als Taxigast erzählt oder dem Publikum seine Begeisterung für Architektur unterbreitet: Stets heben seine wie zufällig daherkommenden und scheinbar dem Alltag entlehnten Storys an einem bestimmten Punkt ab. Und werden fantastisch, überdreht und grotesk. Wenn er, Fredl Fesl zitierend vom irakischen Taxifahrer erzählt, der ihn auf dem Weg nach Fröttmaning rund 20mal an der Donnersberger Brücke (oder war’s der Friedensengel?) vorbeifährt. Danach von jenem mit ihm und Andrea Tandler befreundeten Paar berichtet, das die Gewinne, die es mit Maskengeschäften erwirtschaftete, in einen Bungalow ummünzte. Und sich jetzt anschauen bzw. zuschauen lassen muss, bei allen Spielarten des Erotischen. Weil sämtliche Mauern aus Glas sind. Den Höhepunkt erreicht die Gaudi freilich dann, wenn Günter Grünwald in völlig entfesseltem Plauderton von jenem im Baumarkt beworbene Siphonreiniger berichtet, den er beim Grillfest letzten Sommer als lebensrettender Sisyphos zweckentfremdete. Der Bandsaxophonist – da schließen sich die Kreise zu den kichernden Kollegen wieder – hatte sich beim Fischessen verschluckt. Dank des Hochdruckreinigers freilich konnte nicht nur die Gräte gelöst werden: „Man glaubt gar nicht, was in so einem Menschen alles drinnensteckt!“ Was im übrigen auch für diesen Abend gilt, an dem sich nicht nur Hannes Ringlstetter (als Fanclubvorsitzender?) unter die Gäste mischt. Sondern der eine solche Bandbreite aufweist, die man dem vermeintlich monothematischen „Eintopf“ gar nicht zugetraut hätte: Da überlagern sich Aromen des Scharfen und Süßen, und die Kombination aus Sämigem und Suppigem sorgt für jene Viskosität, die die zwei Stunden vorüberziehen lassen, als wär’s ein Transatlantikflug im Überschalltempo. (Peter Geiger)