altemaelze

Ghost Town

Axel Rudi Pell

Verlässlich erstklassikg – melodischer Hardrock vom Feinsten

23 Studio Alben in 37 Jahren Bandgeschichte – das ist dann schon eine Hausnummer! Axel Rudi Pell beweist dazu mit seinem 56-minütigen neuen Dreher „Ghost Town“, der am 20. März erschienen ist, dass er auch im gesetzteren Alter immer noch hochwertige Musik abliefern kann. Überraschungen sollte man natürlich eher keine erwarten – ok, diesmal gibt es dann keinen zehn Minuten plus Longtrack, aber wie immer passt die Mischung der zehn Songs (plus ein Intro). Knackige, fast schon Heavy Metal Nummern wie die Accept-artigen „Breaking Seals“ (mit Leadgesang, und kein Duett, wie anderswo zu lesen, von Udo Dirkschneider, der aber schon sehr raspelig inzwischen rüberkommt und den schwächsten Song auf dem Album darstellt. Zumindest für mich persönlich) oder „Hurricane“ treffen auf eher melodische Hard Rock-Nummern oder gar halb balladeskes Liedgut (ich will nicht schreiben ‚ruhigeres‘, denn dafür sind die dann doch zu rockig) wie „The Enemy within“ (hat was von Deep Purple zu „Perfect Stranger“ Zeiten) oder „Sanity“. Der mit Abstand gesanglich beste Song „Towards the Shore“ lässt dann die Feuerzeuge oder alternativ die Handytaschenlampe leuchten und hier zeigt der wie immer starke, aber zumindest bei ARP-Stimmlagenmäßig eher „eindimensional“ singende Johnny Gioeli (nur bei den hochmelodischen Refrains ändert er sie etwas) wieviel Gefühl er in den Stimmbändern haben kann. Eine grandiose Ballade wie sie die Scorpions in den 80er Jahren noch schreiben konnten. Neben dem mit sieben Minuten längsten „Higher Call“ (ruhiger zwei Minuten langer instrumentaler Beginn inklusive einer Geiger oder so, ich konnte es nicht genau heraushören), welches das „Gates of Babylon“ der Scheibe darstellt, meine beiden Anspieltipps. Die Gitarrenarbeit ist wie immer über jeden Zweifel erhaben und Axel Rudi zeigt einmal mehr die Kunst lange Soli so zu zelebrieren, dass sie immer perfekt in den Songfluss passen, lässt aber nie den Mucker raushängen. Etwas arg simpel und klöppelig ist leider das Schlagzeugspiel von Bobby Rondinelli ausgefallen. Hier würde etwas mehr Punch und Technik die Lieder nochmal mehr voranbringen. Den Bass von Volker Krawcxzak hört man tatsächlich im Mix gar nicht heraus, während Keyboarder Ferdy Doernberg auch nicht soviel zu tun bekommt. Ab und zu mal kurze Keyboard Passagen als Untermalung und so kann er sein ganzen Können nur bei den zuletzt erwähnten Songs so richtig zeigen. Die Produktion lag in den Händen von Axel selbst mit Unterstützung von Tontechniker Thomas Geiger (Hammerfall, Helloween u.a.) und ist mir persönlich aber etwas zu steril, leicht muffig ausgefallen und mit wenig Punch versehen, aber immerhin im Drumbereich natürlicher klingend als das, was man sonst so vorgesetzt bekommt in letzter Zeit.. Ich hatte hier auch die CD im Player und keinen mp3 Download. Vielleicht beim nächsten Album doch wieder einen externen Produzenten verwenden? Das ist aber Jammern auf hohem Niveau und gibt nur minimalen Abzug. Somit bleiben starke sechs Sterne für die ansonsten tolle Scheibe, bei der man beim Einstiegssongs „Guillotine Walk“ auf den Text achten sollte. Sehr bewegend. Fans von ihm greifen sowie so zu. Anhänger von Rainbow oder Deep Purple ebenfalls. (Steamhammer) HJH

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