Die Band wurde 1987 von Sänger Danny Vaughn gegründet und zählte damals zu den melodischen US-Glam-Metal-Bands. Bis zu ihrer Auflösung Mitte der 90er Jahre erschienen drei Alben, danach gab es verschiedene Re-Unions mit zwei weiteren Alben, die nicht lange hielten, doch jetzt scheint die Band gefestigt und war auch im Herbst bei uns auf Tour und rockte das VAZ in Burglengenfeld. Jetzt wurde mit „Closer to the Sun“ der sechste Studio-Longplayer in neuer Besetzung veröffentlicht. Neben Danny Vaughn gehören zum aktuellen Line-up der Band Harry Scott Elliott an der Gitarre, Ged Rylands an den Keyboards, Chris Childs am Bass und Johnny Dee am Schlagzeug. Eingespielt wurden die Songs in mehreren Studios in Europa, darunter Rockfield in Wales. Dieses Album ist eine dieser überraschenden Rückkehrgeschichten, die zeigen, dass Melodic Rock auch Jahrzehnte nach seiner Blütezeit noch funktionieren kann – wenn er ehrlich gemacht ist. Schon beim ersten Hören fällt auf, dass „Closer to the Sun“ stark in den Wurzeln der Band verankert ist: große Refrains, klare Gitarrenlinien und diese typische Mischung aus Melancholie und Aufbruchsstimmung. Gleichzeitig klingt das Album nicht altbacken. Die Produktion ist modern genug, um druckvoll zu wirken, ohne den warmen, organischen Sound zu verlieren, den Fans erwarten. Ein zentraler Punkt ist die Stimme von Sänger Danny Vaughn. Sie hat über die Jahre vielleicht etwas an jugendlicher Schärfe verloren, dafür aber deutlich an Ausdruck gewonnen. Gerade in ruhigeren Momenten trägt sie viel zur emotionalen Tiefe bei. Songs bewegen sich oft zwischen klassischen AOR-Hymnen und etwas reiferen, nachdenklicheren Stücken – ein Zeichen dafür, dass die Band nicht einfach nur ihre Vergangenheit kopiert. Was das Songwriting angeht, ist das Album solide bis stark. Es gibt keine wirklichen Ausfälle, auch wenn nicht jeder Track sofort hängen bleibt. Vom hymnischen Titelsong über die druckvolle Rauheit von „Hit Me Where It Hurts“ bis hin zur kraftvollen Ballade „The Picture“ – Tyketto bewegt sich selbstbewusst auf ihrem musikalischen Terrain. Die Highlights liegen klar bei den Songs mit großen Hooks und atmosphärischem Aufbau – dort erinnert Tyketto am meisten an ihre stärksten Zeiten, ohne sich selbst zu wiederholen. Die Band geht eben keine Risiken ein. Wer nach Innovation sucht, wird hier nicht unbedingt fündig. Aber genau das ist auch Teil der Stärke: Die Band weiß, was sie kann, und bleibt dabei. Fazit: Gelungenes Comeback, damit feiert das ursprünglich in New York gegründete, sträflich unterschätzte Quintett in neuer Besetzung seine Rückkehr. Zwar kein revolutionäres Werk – aber eines, das zeigt, wie zeitlos gut gemachter Melodic Rock sein kann. Ach, und noch ein Tipp: im Herbst kommt die Band wieder zu uns auf Tour: am 11. Oktober rocken Tykette den „Airport“ in Obertraubling! (Silver Lining Music) P.Ro
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https://www.youtube.com/watch?v=xN9V8M0GDgU


