„Baroque“ ist eine dieser Platten, die man nicht einfach „hört“ oder gar im Hintergrund laufen lässt – man rutscht etwas kopfschüttelnd hinein und stellt die Lauscher auf. Das polnische Ensemble serviert einen eigenwilligen Mix aus strange Jazz, Avant‑Fusion und improvisatorischen Ausbrüchen, der sich jeder klaren Schublade entzieht. Im Zentrum steht die female voice von Klara Cloud, die mal flüstert, mal schneidet, mal wie ein Instrument durch die Arrangements gleitet. Ihre Stimme wirkt wie ein Leitfaden durch ein musikalisches Labyrinth, das sich ständig neu formt. Der Sound ist wild, kantig und bewusst schwer zugänglich. Viele Stücke beginnen harmlos, nur um dann in unerwartete rhythmische Brüche, schräge Harmonien oder fast theatralische Ausbrüche zu kippen. Klare Melodielinien sind Mangelware. Genau das macht für manche Jazzfans den Reiz aus: Diese Musik will nicht gefallen – sie will herausfordern. Trotz aller Sperrigkeit bleibt die Platte faszinierend und überraschend zugänglich, sobald man sich auf die Logik der Band einlässt. Die Mischung aus polnischer Jazz‑Tradition, moderner Improvisation und experimenteller Attitüde erzeugt eine Atmosphäre, die man so nicht oft hört. Fazit: Ein Album das Lust auf ungezähmten, strange Jazz mit starker weiblicher Stimme macht. Wenn sich die Qualität des ersten Songs „Indian Summer“ fortgesetzt hätte, was wäre das für ein Meisterwerk geworden. „Baroque“ ist schwer zugänglich, ja – aber macht nix. Wer musikalische Abenteuer sucht, findet hier ein echtes Kleinod aus der polnischen Szene. (Double Moon Records) HuGe
*****
******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal


