Robben Ford ist ein Mann in Bewegung. Wenn man sich das bisherige Werk des fünfmaligen Grammy-Nominierten ansieht – eine fünf Jahrzehnte währende Erfolgsserie, die zwischen Jazz, Rock, Fusion und Blues pendelt –, entdeckt man einen Musiker, der sich in einem ständigen Wandel befindet. Hört man sich sein neues Album „Two Shades Of Blue“ an – einen transatlantischen modernen Klassiker, der sich im Laufe der Aufnahmen immer wieder verändert hat –, spürt man, wie Risiken eingegangen und Regeln gebrochen wurden. „Ich bin damit verflucht“, lächelt der 74-jährige Gitarrist. „Ich habe keine zwei Alben, die gleich klingen ….“ „Two Shades Of Blue“ ist nicht das Album, das Ford ursprünglich geplant hatte – aber gerade deshalb ist es umso besser geworden. Aufgenommen in den USA und Großbritannien mit zwei verschiedenen Spitzenbands, zeichnet dieses Album mit seiner unnachahmlichen Palette, vom tiefen Funk-Blues der Lead-Single „Make My Own Weather“ bis hin zu himmelhohen Instrumentalstücken, die selbst die Grenzen eines Musikers auf die Probe stellen, der vom Musician Magazine zu einem der 100 größten Gitarristen des 20. Jahrhunderts gekürt wurde. Das Album beginnt exquisit mit dem spröden Groove von „Make My Own Weather“. „Das ist einer meiner liebsten geradlinigen, knalligen Blues-Songs, die ich je geschrieben habe“, sagt Ford. „Er handelt von einem Mann, der seine Freiheit zurückerobert. Ich habe versucht, mit der Rhythmusgitarre das Dröhnen eines Motorrads zu erzeugen.“ Auch die übrigen sieben Tracks überzeugen durch ihre Vielfalt. Da ist einmal mit „Jealous Guy“ ein John Lennon-Cover, das durch Fusionelemente geprägt ist, während „Perfect Illusion“ mehr in die Songwriter Richtung geht. „Black Night“ ist ein opulenter Blues im Bigband Sound. Dazu kommen dann noch einige instrumentale Titel, wie der Titeltrack oder „The Fire Flute“ sowie „The Light Fandango“ und „The Feelings Mutual“ – alle technisch anspruchsvoll. „Two Shades Of Blue“ wurde lose durch Fords Umzug nach London inspiriert, wo seine Antennen die Echos eines leider verstorbenen britischen Blues-Boomers auffingen. Zur gleichen Zeit, nachdem er zusammen mit seinem Partner Milam Kelly Roberts das Robben Ford Guitar Dojo gegründet hatte, verspürte er den brennenden Drang, die äußeren Grenzen des Instruments auszuloten. „Als ich mit diesem Album begann, plante ich es als Hommage an Jeff Beck“, erinnert er sich. „In der Zwischenzeit hatte das Guitar Dojo meinem Spiel neuen Schwung verliehen, sodass das Schreiben von Instrumentalmusik für mich wieder zu einer neuen Erfahrung wurde. Ich besaß keine Stratocaster, also habe ich mir für dieses Projekt buchstäblich eine gekauft. Dann hat Daniel Steinhardt von That Pedal Show ein neues Pedalboard für mich zusammengestellt, ähnlich dem, das Jeff Beck verwendet. Ich wollte etwas anderes machen, mir selbst eine Herausforderung stellen.“ Bei den Aufnahmen in den Eastcote Studios mit Toningenieur George Murphy ist die Chemie spürbar: Fords Gitarre und Gesang führen eine erstklassige Band an, zu der Schlagzeuger Ianto Thomas (Mark Knopfler), Keyboarder Jonny Henderson (Otis Grand), Bassist Robin Mullarkey (Paloma Faith) und eine Bläsersektion bestehend aus Paul Booth (Saxophon), Ryan Quigley (Trompete) und Trevor Mires (Posaune). „Großartige Musiker“, lächelt Ford. „London ist ein unglaublicher Ort, um Musiker zu finden. Hier gibt es so viele, dass es für mich sogar besser ist als Nashville oder LA.“ Fazit: Der Meister der Raffinesse und des guten Geschmacks, Robben Ford, kehrt mit einem neuen, überzeugenden Album zurück! (Provogue/Artone) P.Ro
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