Sie sind seit mehr als fünfeinhalb Jahrzehnte schon aktiv – Wishbone Ash, die als Begründer des Twin-Gitarren-Rock bezeichnet werden können. Und noch immer ist mit Andy Powell eines der Gründungsmitglieder dabei, als Sänger und Gitarrist, der die Band mit 19 Jahren gegründet hat. Und auch der Stil ist weiterhin unverkennbar, kein Wunder also, dass diese Band noch immer eine treue Fangemeinde hat. Das zeigte sich auch am 16. Januar in der zwar nicht ausverkauften, aber ziemlich vollen Mälze. Die Stimmung und das Konzertfeeling lässt sich gut bei der Kritik von Michael Scheiner in der Mittelbayerischen nachlesen:

„Ablesen ließ sich das auch beim Auftritt von „The Ash“ im dicht besetzten Clubraum der Mälzerei. Neben vielen mittlerweile Bauch tragenden älteren Semestern mit silbrig glänzenden Pferdeschwänzen oder variantenreichen Glatzen drängten sich aber auch mittelalte und einige jüngere Fans vor der Bühne. „Es kommen auch Väter mit ihren Töchtern“, zählte Veranstalter Alex Bolland ganz stolz auf, „und es sind immer Fans dabei, die bis aus Franken und sogar Österreich anreisen.“ Dass sich solcher Aufwand lohnt, hörte man bereits anfangs als sich die vier Musiker durch die Menge schoben. Wie eine anrollende Welle breiteten sich ein impulsiver Aufschrei und stürmischer Beifall aus, bis die ersten Gitarrenakkorde den Raum füllten. Ohne zeitschindende Vorband begrüßte Powell, der in einem Monat 76 Jahre alt wird, sein Publikum mit einem freundlichen, aber lapidaren „great to be back“. Danach zählte erst mal nur die mit einer Signatur an der Kopfplatte versehene, berühmte Flying-V-Gitarre. Mit ihrer musikalischen Signatur, den beiden synchron gespielten Leadgitarren Powells und des deutlich jüngeren Mark Abrahams, bliesen sie zum Auftakt mit dem Klassiker „Blowin‘ Free“ Köpfe und Ohren frei. Das Programm der zwei Sets mit einigen Nummern vom 1972er Album „Argus“ geriet letztlich zu einer Fortsetzung der ‚Wishlist-World‘-Tour. Damit tourte die Band ab 2024 durch zahlreiche Länder. Letztlich ist das auch das Geheimnis von Wishbone Ash. Trotz kontinuierlicher Veröffentlichungen, darunter zahlreicher Live-Alben, ist das Quartett eine Liveband, die von der Energie und direkten Kommunikation mit dem Publikum – ihren Fans – lebt. Regelmäßig bekommen die weit mehr geboten als nur eine routinierte Abfolge von religiös oder spirituell konnotierten Songs wie „King Will Come“, „Throw Down The Sword“ oder folkinspirierte Balladen. Mit seiner kreativen und auch körperlichen Elastizität und einer geradezu bravourösen Leistung ist Powell – um noch eine andere Sicht einzubringen – geradezu ein Musterbeispiel für die Rentendebatte um eine verlängerte Arbeitszeit. Allerdings hätte er als Freiberufler und Arbeitgeber für Abraham und seine Kollegen Bob Skeat am pluckernden Bass und dem neuem Drummer Windsor McGilvray am wunderbar präzisen Schlagzeug keinen steuerlichen Freibetrag zu erwarten, wie er jüngst in Deutschland für Rentner eingeführt wurde. Vielmehr werden er und seine Mitmusiker wie „Warrior“, ebenfalls vom Album „Argus“, weiter „auf der Suche nach Neuem“ sein und dabei auf ihren geradlinigen, melodischen Rocksound mit Blues- und Folkeinflüssen setzen. Wenn sie ihre emotional starken Auftritte dabei auch künftig, wie in der akustisch nicht einfachen Mälze, mit einem klaren, transparenten Sound und angepasster Lautstärke absolvieren, gewinnen sie vermutlich sogar neue Fans hinzu. Dann steht die kommende Tour vielleicht unter dem Signum „Time Is“, statt wie die jetzige unter dem Titel „Time Was“, benannt nach einer ziemlich depressiven Ballade.“

Das Publikum ging auf jeden Fall voll mit, wobei vor allem die „Klassiker“ wie „Throw down the sword“, „Warrior“ oder „The king will come“ für Begeisterung sorgten!


