Um es gleich vorweg klarzustellen: Markus Engelstädter, in der nördlichen Oberpfalz beheimateter und in Regensburg bestens bekannter Ausnahmesänger, vermag in vielen Rollen zu glänzen. Freddie Mercury gleicht er keineswegs wie einem Abziehbild. Er versucht das auch gar nicht: Weder trägt er hier auf der runden Bühne im Weihnachtscircus am Dultplatz schwarzen Schnurrbart zu weißem Feinripp und auch kein gelbes Sakko zur rotgestreiften Hose. Obendrein fehlt ihm physiognomisch jener unverkennbare Überbiss, um dem im November 1991 gerade mal 45-jährig an der Immunschwächekrankheit AIDS Verstorbenen wie einer Traumvision zu entsprechen. Auch stimmlich leistet sich Markus Engelstädter wohltuende Abweichungen von der Originalintonation: Was hier in Begleitung einer zehnköpfigen Band passiert, das ist kein bloßes, detailversessenes Reenactment, das konkrete Augenblicke der Rockgeschichte per Fingerschnipp herbeizitiert. Und etwa Wembley-Atmosphäre an den Protzenweiher transferiert. Nein – im Gegenteil: Es ist viel mehr! „The Magic of Queen“ bietet eine Essenz dessen, was die Band und ihr Frontmann Freddie Mercury als Solist über rund zwei Jahrzehnte in den historischen Popspeicher eingespeist haben. Das heißt: Die Flügel sind weit gespannt, vom bohémienhaften Rhapsodieren hin zu Glam- und Stadionrock (alles das, was Punks hassten), von handgemachter Perfektion, die auch ohne Synthesizer nur im Studio reproduziert werden konnte – hin zur digitalen Präzision. Am Ende ihrer aktiven Plattenkarriere bedienten Queen mit einem Großsortiment, das ihre Ursprünge weit überragte und an Funk wie Pop anzudocken wusste, globale Popmärkte.

Sodass Markus Engelstädter von Anfang in die Vollen greift, wenn er etwa mit dem Titelsong des Soundtracks zu „Flash Gordon“ beginnt, jener filmischen Hommage an einen ursprünglichen Comic-Helden aus den 1930er-Jahren, der als verunglückter Polospieler die Größe der Kugeln gewechselt hat, um jetzt die von Kollision bedrohte Erde zu retten. Für Queen markierte das eine Neujustierung, eine bewusste Orientierung am Zeitgeist der gerade beginnenden 1980er Jahre. Und so oszilliert sich Markus Engelstädter feinnervig und vibrierend durch die Bandgeschichte, lässt auf den eher unbekannten Klassiker „Spread your Wings“ Balladen wie „Love of my Life“ folgen – um sodann das Fach zu wechseln und gemeinsam mit der sensationell agierenden Esther Baar quasi die Opernbühne zu betreten und „Barcelona“ zu performen. So münzt Markus Engelstädter in einem Reigen permanenten Wechsels die Essenzen um, in hochwirksame Substanz. Die gekennzeichnet ist, von dem, was man Respekt vor dem Lebenswerk eines ganz Großen nennt.

Markus Engelstädter steht seit mehr als zwei Jahrzehnten mit seinem Queen-Programm auf der Bühne. Im soeben angebrochenen Jahr möchte er sich verstärkt mit seiner neu aufgestellten Band, die ausnahmslos aus brillant agierenden Einzelkönnern besteht, auf dieses Profil konzentrieren. Die vierköpfige Streicherbegleitung etwa ermöglicht nicht nur Ausflüge in Klassikbereiche, ein Song wie „Radio Ga Ga“, der im 1984er-Original mit seinen wabernden Sequenzer-Linien das Elektronische umarmte, wird hier auf der Bühne rückübersetzt, in ein analoges, von Hand interpretiertes symphonisches Bravourstückchen. Bei dem der standhaft er selbst bleibende Performer gar nicht groß als dirigierender Menschenfischer agieren muss, um sein Publikum als vielstimmigen Begleitchor zu gewinnen. Am Ende dieses von ihm als „ganz besonders“ empfundenen Abends jedenfalls ist der bis zur Kopfstimme hinauf supersicher agierende Markus Engelstädter so angetan, dass er all die hier versammelten Leute einpacken möchte, in einen großen Bus, um sie mitzunehmen, auf Tour. Er kann aber drauf vertrauen: Egal, wo er künftig mit seiner magischen Queen-Show gastieren wird: Man wird ihn auf Händen tragen! Seine Gäste werden sich singend und tanzend seiner Kunst hingeben. Ach ja, eine Sache noch: Angesichts dessen, dass das Programm ohnehin mit so viel Beinfreiheit daherkommt, wäre beim triumphalen „We are the Champions“ ein erneutes Dabeisein von Esther Baar wünschenswert gewesen. Auch Freddie Mercury war ja viel mehr als ein bloßes Ich in der ersten Person Singular! Das wirkliche Leben, es verträgt so viel Phantasie! (Peter Geiger)



