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Steel Panther

Kritik zum Konzert am 4. Juli im „Airport“ in Obertraubling

Eher zweispältige Angelegenheit – die Band überspringt mit voller Absicht die Grenzen des guten Geschmacks

Steel Panther luden zur Glam Metal Sause auf Grund der bereits seit 2024 laufenden Tour zum 15. jährigen Jubiläums des Debüts „Feel the Steel“ und das willige Frauen- (und auch viel Männer) Volk folgte gerne. Das „Airport“ war ausverkauft. Nachdem man das extrem lange Einlassprozedere überstanden hatte und, zum Glück vorher bereits erfuhr, dass Fotoverbot für Journalisten herrscht (vermutlich saßen heute die Perücken schlecht) durfte man sich gut 35 Minuten an der meiner Meinung sehr guten Vorband Black Sonic Pearl erfreuen. Die Band bot Musik in der Schnittmenge von Soundgarden, Alter Bridge und Myles Kennedy feil (Modern bzw. Alternative Metal mit etwas Grunge und zum Headliner eher nicht passend). Starker Sänger, der auch Ballade kann, und tolle Musiker, denen aber der Bassist abhanden gekommen zu sein scheint. Die Bassspuren kamen jedenfalls vom Band, dafür zogen die beiden Gitarristen mit tollen Soli die Wurst vom Teller.

Black Sonic Pearls

Nach einer längeren Umbaupause gab es dann das volle Glam Metal Brett. OK, das war dann eher Wunschdenken von mir. Die Band zog es leider vor, von den 90 Minuten, die das Konzert dauerte, schon mal locker 20 Minuten mit dummen Gelaber zu verplempern. Nach gerade mal zwei Songs (fürs Auge gab es mehrere, sich abwechselnde Poledancerinnen), startete dann der Sextalkcomedybreak, der 15 quälende Minuten anhielt, und mich dann nach kurzer Zeit extrem zu nerven begann, wenn 60 Jährige über Analsex, Blowjobs usw. philosphieren – Parodie hin oder her, da wird der Fremdschämfaktor sehr hoch. Kann man machen, aber dann bitteschön auf das komplette Konzert verteilt. Nach drei weiteren Songs, darunter dem wirklich starken „Fat Girl“ bzw. „Asian Hooker“ (nur echt mit einer asiatisch aussehenden Hookerin und nein es ist nicht ein Rugby Spieler gemeint), musste dann natürlich ein Gitarrensolo (sehr beeindruckend mit kurzen Einspielern bekannter Soloparts der Scorpions, Metallica, Black Sabbath, Guns n Roses oder Judas Priest) kommen, damit die älteren Herrschaften eine kurze Pause erhielten. Beim akustischen Besingen und im Wort besteigen von zwei willigen jungen Damen aus dem Publikum stieg der Nervfaktor wieder an, denn das akustische „Impromptu for a Girl“ war genauso peinlich und fast so lange wie das Gelaber vorher. Immerhin zog eine der beiden Mädels blank. Vielleicht hat es dadurch noch für eine Backstage Einladung gereicht. Danach wurde endlich wieder Musik durchgezogen (und keine Frauen, auch wenn es nach wieder längerer Suche 17 freiwillige Mädels in eine Reihe geschafft haben für „17 Girls in a Row“, die auf der Bühne mit dem Hintern wackeln usw. durften) und mit „Girl from Oklahoma“ bzw. „Party like tomorrow is..“ einige musikalische Highlights zu verbuchen waren, wobei der Songfokus natürlich auf „Feel the Steel“ mit sieben Songs lag. Aber auch „Balls out“, „All you can eat“ und „On the Prowl“ wurden kurz bedacht. Mir wäre lieber gewesen man hätte von den fehlenden beiden Alben dann auch noch je einen Song gespielt und den restlichen Blödsinn runterreduziert. Wäre spannend gewesen und der ansonsten musikalisch wie gesanglich richtig starken Band gerechter geworden. Fazit: Unterm Strich eine eher zwiespältige Angelegenheit, die ich nicht bis zum Ende verfolgt habe. Die zweite Zugabe „Gloryhole“ hab ich dann nur noch von draußen kurz gehört.  Muss ich nicht nochmal haben und bleibe dann doch lieber bei den CDs von ihnen. (HJH)

Steel Panther