Mit ihrem neuen Album „Sounds of William“ beweist das Vokalensemble Singer Pur einmal mehr, dass A-cappella-Musik weder altmodisch noch auf ein enges Repertoire festgelegt sein muss. Das Album, erschienen Ende August 2026, folgt einem ungewöhnlichen roten Faden: Gesucht wurden Werke von Komponisten, Arrangeuren und Interpreten, deren Namen mit „William“, „Wilhelm“, „Will“, „Billy“ oder „Guillaume“ verbunden sind.
Das Ergebnis ist eine ausgesprochen vielseitige musikalische Reise. William Byrd steht neben Bill Withers, Wilhelm Stenhammar neben David Paich, William Shakespeare neben moderner Filmmusik. Schon die Titelliste macht deutlich, dass Singer Pur hier bewusst Genregrenzen überschreitet: Auf Byrds „Memento homo“ folgt „Ain’t No Sunshine“, später begegnen einem unter anderem „No Time to Die“, „Lose Yourself to Dance“ und „Rosanna“. Gerade diese Mischung ist die größte Stärke des Albums. Singer Pur behandelt die unterschiedlichen musikalischen Welten nicht wie Gegensätze, sondern sucht nach Gemeinsamkeiten. Die Stimmen werden zum eigentlichen Instrumentarium: Mehrstimmige Renaissance-Polyphonie, warme Pop-Harmonien und rhythmisch anspruchsvolle Arrangements stehen nebeneinander und lassen erkennen, wie erstaunlich wandlungsfähig ein reines Vokalensemble sein kann. Besonders reizvoll ist dabei, dass die Arrangements den bekannten Stücken eine neue Perspektive geben. „Ain’t No Sunshine“ etwa erhält durch die Stimmen eine andere Farbigkeit als im ursprünglichen Pop-Kontext. Statt Schlagzeug, Bass und Instrumentalbegleitung entsteht ein transparentes Klangbild, in dem Rhythmus und Harmonie unmittelbar aus dem Ensemble heraus entstehen. Auch „No Time to Die“ zeigt, wie gut sich die dramatische Atmosphäre eines modernen Songs in die Klangsprache von Singer Pur übertragen lässt.
Allerdings ist das Konzept zugleich die kleine Schwäche des Albums. Die Verbindung der Stücke über den Namen „William“ ist originell, aber musikalisch nicht immer zwingend. Die Auswahl wirkt stellenweise eher wie eine intelligente Sammlung von Fundstücken als wie ein Album, das von Anfang bis Ende eine große dramaturgische Geschichte erzählt. Wer ein geschlossenes musikalisches Konzept erwartet, könnte die stilistischen Sprünge zwischen Renaissance, Kunstlied und Pop gelegentlich als etwas abrupt empfinden. Andererseits liegt genau darin der Charme von „Sounds of William“. Singer Pur möchte offensichtlich nicht beweisen, dass A-cappella-Musik nur in einem bestimmten historischen oder ästhetischen Rahmen funktioniert. Das Ensemble zeigt vielmehr, dass zwischen fünf Jahrhunderten Musikgeschichte überraschend viele Verbindungen bestehen. Das entspricht auch dem erklärten Konzept der „Singer Pur Tage 2026“, die ausdrücklich die Brücke vom Mittelalter bis in die Gegenwart und zwischen E- und U-Musik schlagen. Mit rund 37 Minuten ist das Album zudem angenehm kompakt. Die zwölf Titel verlangen keine musikalische Marathon-Ausdauer, sondern funktionieren eher wie einzelne Stationen einer abwechslungsreichen Klangreise.
Fazit: „Sounds of William“ ist eine klug zusammengestellte musikalische Entdeckungsreise. Singer Pur gelingt es, historische Vokalmusik und moderne Popkultur mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit zusammenzubringen. Nicht jede Verbindung ist zwingend, aber gerade die Lust am Experiment macht den Reiz der Aufnahme aus. Wer A-cappella-Musik liebt oder bekannte Songs einmal aus einer völlig anderen Perspektive hören möchte, bekommt hier ein ausgesprochen hörenswertes Album. (Belvedere) P.Ro
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