Blueslegende John Kirkbride ist in der Regensburger Musikszene schon sehr lange ein gern gesehener Gast. Und fast genau so lange schon spielt er auch mit Markus „Muck Kotz“ zusammen. Das nächste Mal am 10. Oktober in Alte Mälzerei als Teil des Line-ups für das Konzert „Regensburg Lädschends on fire“. Folk, Jazz & Blues hört man in diesem denkwürdigen Konzert mit Yankee Meier (Old Folks), Thomas Pielmeier (Letzte Bestellung), Clemens Matejka (u.a. Mass), die „Rock-Lädschends“ Wolfgang Haarer (u.a. Staid As Quo), Jürgen Blochberger, Reinhold Blochberger, Stefan Adler (u.a. Tana Nile) und Herbert „Happy“ Schwarzfischer (u.a. Sacco & Mancetti). Weitere hochkarätige Special Guests werden kurzfristig bekannt gegeben. Vorab sprach Alois C. Braun mit Blues-Urgestein John Kirkbride.

John, du bist 80 Jahre alt. Hättest du jemals gedacht, dass du in diesem Alter immer noch auf der Bühne stehst und das Publikum mit deiner Musik in den Bann ziehst?
Ehrlich gesagt: nein. Ende der 1960er Jahre waren wir ein bunter Haufen aus Balladensängern, Folksängern und Singer-Songwritern, die sich – wenn überhaupt – nur wenige Gedanken über die Zukunft machten. Niemand von uns glaubte, dass wir den nächsten Song überleben würden! Ich habe es irgendwie überstanden und rückblickend war und ist es ein großartiges Leben. Ich bin froh, dass ich mich nie dem kommerziellen Druck der Plattenfirma gebeugt habe und auch mit 80 Jahren noch Lieder schreibe, die unsere Lebensweise und unser Verständnis hinterfragen. Mir scheint, das Geheimnis eines langen Lebens liegt darin, weiterzuarbeiten (und zu atmen).
Wann hast du die Passion für den Blues entdeckt?
Schon ziemlich früh. Ende der 1950er Jahre hörte man im Radio praktisch nur Frank Sinatra, Perry Como, Dean Martin und Big-Band-Musik – und das Radio war unsere einzige Verbindung zu dem, was man heute „Social Media“ nennt. Gelegentlich konnten wir jedoch Radio Luxemburg empfangen. Dort lief eine neue Art von Musik, die sie „Rock ’n’ Roll“ nannten, und auch das Wort „Blues“ fiel bisweilen. In der Nachbarstadt gab es zufällig einen Plattenladen, der einige dieser Blues-Platten führte. Man konnte sie sich dort anhören, was wir auch taten. Und was wir hörten, war definitiv kein Rock ’n’ Roll. Es war rauer, wilder und fast schon archaisch. Etwas, das einen tief in der Seele berührte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Ich versuchte, einige dieser Musiker zu imitieren, ohne zu ahnen, dass viele von ihnen ihre Gitarren auf eine Weise gestimmt hatten, die für uns damals völlig unverständlich war. Das machte die Sache nur noch interessanter!
Gibt es Bluesmusiker, die du besonders herausragend findest, die dich besonders berühren?
Ja. Robert Johnson natürlich. Son House liebe ich wegen der rohen Kraft seines Blues. Lightnin’ Hopkins (mit dem ich die Ehre hatte zu spielen), Rory Gallagher (einer der größten Electric-Blues-Musiker aller Zeiten) sowie vielleicht Johnny Winter und Stevie Ray Vaughan, mag ich wegen ihres Verständnisses für den Blues.
Du bist ein virtuoser Gitarrist, der die unterschiedlichsten Spielarten beherrscht. Hast du einst bei einem Lehrer gelernt oder bist du Autodidakt?
Nein, ich habe nie Unterricht genommen, aber mir wurde schon sehr früh klar, dass ich versuchte, ein erstaunlich komplexes Instrument zu beherrschen, das täuschend einfach aussah. Ein polyphones Mini-Orchester, das, wenn man es mit den Fingern statt mit einem Plektrum spielte, jede erdenkliche Harmonie wiedergeben konnte, von Klassik über Jazz bis hin zu allem, was dazwischen liegt. Dies, kombiniert mit den Rhythmen, die beim Fingerpicking möglich sind, macht es zur idealen, tragbaren Band für Folk-Musiker. Ich ließ Elemente all dieser Stile in mein Songwriting einfließen und verwendete dabei viele Ragtimefiguren und -harmonien, die das volle Potenzial dieses kleinsten und mobilsten Orchesters der Musikwelt zur Geltung bringen.
Am 10. Oktober stehst du mit vielen Regensburger Musikgrößen auf der Bühne. Hast du mit allen vorher schon mal zusammen gespielt?
Ja, aber nur gelegentlich – zum Beispiel bei Mucks „Werkstattfest“. Ich habe großen Respekt vor ihnen allen, vor ihrem Können und ihrer Professionalität. Es ist eine Freude, mit ihnen zusammenzuspielen. Alle scheinen einander zu verstehen und zu wissen, wohin sich der Song entwickelt. Muck und ich sind in den 1990er Jahren auf einem Festival in Kőszeg (Ungarn) aufgetreten. Auch mit Tana Nile hat das Spielen großen Spaß gemacht und war sehr erfolgreich. In Baden-Württemberg (Schwarzwald) oder Duisburg spielten wir mit Tanagrass – und Dave Dudley, der auch da war. Abgesehen davon freue ich mich sehr auf das Festival am 10. Oktober, das allen die Gelegenheit bietet, gemeinsam zu jammen und ihr großes Können zu zeigen.


