Jack White bleibt seinen unkonventionellen Veröffentlichungsstrategien treu. Nachdem sein Album „No Name“ zunächst überraschend in den Einkaufstaschen von Kunden der Third-Man-Records-Läden in Detroit, London und Nashville auftauchte, wurde der Nachfolger „Frozen Charlotte“ ebenso unerwartet am Ende einer Episode einer Video-Reihe seines Labels enthüllt und der Sänger und Gitarrist aus Detroit hat seinen siebten Langspieler einfach so zum Vorbestellen auf seiner Homepage freigegeben statt eine große Medienkampagne zu fahren.
Musikalisch knüpft mit dem neuen Opus White an den rauen Sound seiner Zeit mit den White Stripes an. Während die beiden 2022 erschienenen Alben „Fear of the Dawn“ und „Entering Heaven Alive“ seine elektrischen beziehungsweise akustischen Seiten getrennt präsentierten, vereint „Frozen Charlotte“ diese Energie mit einer deutlichen Verbeugung vor Electric Blues und Proto-Hardrock der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Unterstützt wurde White in seinem Third Man Studio in Nashville von einer eingespielten Band mit Bassist Dominic Davis, Schlagzeuger Patrick Keeler und Hammond-Organist Bobby Emmett, die bereits auf der No Name-Tour an seiner Seite standen. Das Zusammenspiel verleiht dem Album eine besondere Geschlossenheit und macht es zu seiner bislang wohl kollektivsten Soloarbeit. Wie schon „No Name“ ist auch „Frozen Charlotte“ ein gitarrengetriebenes Album mit 13 Tracks voller kraftvoller Riffs. Doch statt auf überraschende Neuerfindung setzt White diesmal auf konsequente Weiterentwicklung. Schon der eröffnende Titel „G.O.D. and the Broken Ribs“ macht mit seinem markanten Riff und der augenzwinkernden Einleitung klar, wohin die Reise geht. Die Songs entfalten ihre Wirkung scheinbar mühelos: Das Hendrix-inspirierte „Derecho Demonico“, die verzerrte Rebellion von „You’ll Never Fix Me“ oder der sumpfige Groove von „Dollar Bill“ verbinden klassischen Bluesrock mit Whites unverwechselbarer Handschrift. Stilistisch erinnert das Album an den Übergang vom elektrischen Blues zum Hardrock, wie ihn Bands wie Led Zeppelin Ende der 1960er-Jahre prägten – allerdings gefiltert durch Whites moderne, kompromisslose Herangehensweise. „Frozen Charlotte“ wirkt dadurch weniger wie ein Neuanfang als vielmehr wie eine Festigung dessen, was Jack White seit mehr als 25 Jahren auszeichnet: kompromisslose Gitarrenmusik, starke Riffs und eine rohe Energie, die Tradition und Gegenwart souverän miteinander verbindet – ein intensiver Rock-’n‘-Roll-Kraftakt, bei dem die Blues-Wurzeln nie weit entfernt sind – perfekt für langjährige Fans und gleichzeitig eine weit offene Tür für Neulinge. (Jack White) UCR
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