Es gibt Alben, die sofort eine Stimmung erzeugen – und „Em Julho“ gehört dazu. Schon nach wenigen Sekunden fühlt man sich, als säße man mit Elsa Johanna Mohr und Flávio Nunes in einem kleinen Studio, irgendwo zwischen Rio und Lissabon, während die Sonne durch die Fenster fällt. Mohrs Stimme ist ein Geschenk: warm, klar, federleicht. Wer Astrud Gilberto, João Gilberto, Antonio Carlos Jobim & Co. liebt, wird hier sofort zuhause sein. Diese besondere Mischung aus Zurückhaltung und emotionaler Offenheit trägt das gesamte Album. Elsa Johanna Mohr stammt übrigens aus deutschen Landen, aber man würde es kaum glauben, wenn man sie singen hört. Ihre Stimme trägt diese unangestrengte, luftige Eleganz, die man sonst vor allem aus Rio kennt. Sie phrasiert mit einer Selbstverständlichkeit, die sofort an Astrud Gilberto erinnert – nicht als Kopie, sondern als Verwandtschaft im Gefühl.
Senhor Nunes spielt dazu eine Gitarre, die einfach passt. Jeder Ton ist sorgfältig gesetzt, jeder Akkord ein kleines Gedicht. Er kann mit feiner Zurückhaltung flüstern und verspielt tänzeln – aber ebenso mühelos einen virtuosen Moment schaffen, in dem es kraftvoll und pointiert aufleuchtet. Auch die erstklassige Aufnahmequalität dieser Veröffentlichung ist hervor zu heben, das ist ein audiophiler Leckerbissen – man hört das Holz der Gitarre, das Atmen zwischen den Zeilen, die Nähe der beiden Musiker.
„Em Julho“ ist kein Album für Hardrocker, und keine Party-Latin-Scheibe oder die Supermarkt-Berieselung. Es ist ein Album für Momente, in denen man der zentraleuropäischen Schwere entfliehen will, sich fallen lassen möchte. Für Menschen, die die brasilianische Leichtigkeit nicht als Klischee, sondern als Lebensgefühl verstehen. (Double Moon Records) HuGe
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