GEORGE, die Hauptband des Grammy‑nominierten Drummers John Hollenbeck, trägt ihren Namen nicht zufällig: Sie ist eine bewusste Hommage an George Floyd, dessen Tod durch Polizeigewalt weltweit Erschütterung auslöste. Diese Widmung prägt die Musik – nicht als platte Botschaft, sondern als Grundhaltung: roh, ungeschönt, widerständig.
Der Einstieg der neuen Scheibe ist ein regelrechter Schockmoment. Der erste Track bricht los wie ein entfesseltes Tier: ein antreibender Groove, darüber unartikulierte Laute, die eher wie eruptive Ausrufe wirken als wie Gesang. Ein bekiffter Frank Zappa hätte daran vermutlich seine helle Freude gehabt – diese Mischung aus Anarchie, Humor und musikalischer Frechheit ist jedenfalls ganz in seinem Sinne. Ab Song Nr. 3 ändert sich die Stimmung spürbar. Die Musik wird ruhiger, gelassener, fast meditativ. Getragene Flötentöne und ein feenhafter Gesang dominieren das Klangbild. Hier zeigt die Band ihre andere Seite: atmosphärisch, offen, beinahe zerbrechlich. Doch die Ruhe ist nicht von Dauer. Auf Track Nr. 7 bricht das Ensemble erneut aus und stürzt sich in ein kontrolliertes Freeform‑Chaos, das an die wilden Improvisationen der UK-Band Soft Machine oder die unberechenbaren Momente auf manchen alten Zappa‑Platten erinnert. Diese Wechsel zwischen Struktur und Auflösung, zwischen Groove und Abgrund, machen den Reiz des Albums aus.
Radiotauglich ist das alles natürlich nicht – und will es auch gar nicht sein. Wer jedoch avantgardistische Musik schätzt, wer Lust auf Grenzgänge hat und sich nicht vor unkonventionellen Klangräumen scheut, wird hier reich belohnt. GEORGE liefert ein Werk, das fordert, überrascht und immer wieder fasziniert. Ein Album, das sich weigert, gefällig zu sein – und gerade deshalb so eindrucksvoll wirkt. (Out of your Head Records) HuGe
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