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Spring

Spring

Das Album für den Juni 2026 in der Reihe „from the vaults“: Ein verlorenes Meisterwerk des britischen Prog aus dem Jahr 1971

Es gibt Alben, die nicht einfach nur gut sind – sie wirken wie ein geheimes und faszinierendes Portal in eine andere Ära. Spring von 1971 gehört genau in diese Kategorie. Eine Platte, die nie den Ruhm bekam, den sie verdient hätte, und gerade deshalb heute wie ein heiliger Gral des frühen Progressive Rock wirkt. Als Erstpressung ist diese Scheibe eine gesuchte und wertvolle Rarität.

Schon das Label – Neon, das kurzlebige Vertigo‑Schwesterlabel für anspruchsvolle, experimentelle Musik – verrät, dass hier etwas Besonderes passiert. Und tatsächlich: Spring ist eines der poetischsten, atmosphärischsten und musikalisch reichsten Debüts der gesamten Prog‑Ära. Als ich diese Platte Anfang der 70er-Jahre bei einem Freund zum ersten Mal hören durfte, war ich total fasziniert. Es hat einige Jahre gedauert, bis ich diese Rarität – im legendären OLDIE MARKT – endlich fand. Ähnlich wie auf der ersten KING CRIMSON-LP „The Court of the Crimson King“ spielt das Mellotron eine tragende Rolle. Die Band setzt das Mellotron nicht als Effekt ein, sondern als tragendes Instrument – ähnlich wie frühe Genesis („Trespass“, „Nursery Cryme“) oder Barclay James Harvest, aber mit einer wärmeren, organischeren Note. Die Songs wirken wie Mini‑Suiten, voller Wendungen, Zwischenspiele, harmonischer Überraschungen. Die Gitarren sind filigran, die Orgeln schweben, und über allem liegt diese pastorale, britische Melancholie, die man heutzutage nicht mehr findet. Sänger Pat Moran singt mit einer sanften, warmen, leicht brüchigen Stimme, die perfekt zur Stimmung der Platte passt. Seine Phrasierung ist intim, fast verletzlich – und genau das macht die Songs so emotional. Mit dabei ist Drummer Pick Withers. Bevor er mit den DIRE STRAITS weltberühmt wurde, spielte er hier eine seiner musikalischsten, sensibelsten Leistungen ein. SPRING ist pastoraler Progrock in seiner reinsten Form – warm, organisch, poetisch und trotzdem virtuos. Noch nach dem zwanzigsten Durchlauf kann man immer neue verblüffende Feinheiten in dieser vielschichtigen Musik entdecken. Viele Kenner und Sammler sagen: „Das beste verlorene Prog‑Album der 70er.“ So ist es. (Neon Records) HuGe