Ritchie Newton, seines Zeichens ehemaliger Sänger von u.a. Warreck, Mass und Monster aus der Regensburger Szene, und seit etlichen Jahren in SO-Asien sesshaft, veröffentlichte im Mai sein neues Album „Higher Power“. Selbst produziert in einem Studio in Jakarta mit einheimischen Musikern kann sich der Sound gut hören lassen, auch wenn der eine oder andere Song sich so anhört, als ob er eher als Demo eingespielt wurde. Was mir leider etwas den Spass am Hören der Scheibe verleidet hat, ist der doch partiell gruselige Schlagzeugsound, der sich bei vielen Songs eher nach mäßig programmierten Drumcomputer anhört als einem Menschen aus Fleisch und Blut (Ausnahme sind die Songs bei denen Jimmy Katone von Hit the ground Runnin‘ an den Kesseln zu hören ist). Gesanglich ist leider auch noch Luft nach oben, hört sich das Ganze doch arg durchschnittlich an (auch wenn er mich locker übertrifft). Grandios ist dagegen die Gitarrenarbeit ausgefallen. Die Soli sind immer wieder zum Zunge schnalzen, was auch den Gästen auf der Scheibe geschuldet ist. Frank Pane bzw. Hans Ziller von Bonfire tragen hier ihr Schärflein bei und so ist es dann auch kein Wunder, dass sich manch Lied an diese Band anlehnt („Come give me your Love“ mit starken Text gegen Kindesmissbrauch bzw. die kraftvolle Rock Ballade „Saxana“ mit viel Piano). Cool ist der Saxofonpart beim eher AOR-lastigen Titelsong. „Crying in the Summer rain“ geschrieben von keinem geringeren als Marco Mendoza, Bassist von u.a. Thin Lizzy bzw. Whitesnake könnte so auch von 90er Jahre Scorpions stammen, wo UFO mit Michael Schenker an der Gitarre, den musikalischen Rahmen erweitern. Die berührende Ballade „I lost my Faith in you“ macht Styrper alle Ehre und wem deren „Honestly“ gefällt, der wird auch am Text nichts aussetzen können. Die Bikernummer „Glory Harleylujah“, Mötley Crüe’s „Kickstart my Heart“ lassen grüßen ist dagegen richtig gruselig, der Text bzw. Refrain schaurig (außer man fährt selbst Motorrad) und da retten auch der tolle Hammondorgelpart und das feine Solo nichts mehr. Mein Skipkandidat auf dem Album. Wer Fan von White Lion ist, hört bei „When the Children Cry“ genauer hin, auch wenn der Song hier „When Children Cry“ heißt. Und sollte ein Zuhörer nah am Wasser gebaut sein, so möge er bei „Goodbye my little Boy“ die Taschentücher rausholen, wird hier doch der frühe Tod des Sohnes von Ritchie verarbeitet. Welch traurige Ballade, mit einem kleinen Hoffnungsschimmer am Ende auf ein mögliches Wiedersehen in einer anderen Welt, wo auch immer die sein mag. Die CD-Version bietet übrigens neben den elf Songs der Vinyl-LP noch zwei Bonus Tracks: Die Songs „Come give me your Love“ bzw. „I Lost my Faith in you“ in den Ivan May Versionen, wo der Fokus noch stärker auf der Gitarre liegt und die Soli vom gleichnamigen Gitarristen der Scheibe eingespielt wurden. Mir gefallen diese Versionen fast besser als die „normalen“. Wer also mit den genannten Bands musikalisch etwas anfangen kann oder auch einen Dan Lucas zu seinen Favoriten zählt kann sich das sehr solide viereinhalb Sterne Album gerne ins Regal stellen und müsste nur über die kleinen Schwächen hinwegsehen. (NRT Records) HJH
****/*
******* = genial / ****** = phänomenal / ***** = optimal / **** = normal / *** = trivial / ** = banal / * = katastrophal


