Auch für pessimistische Weinkonsumenten gilt: Nach dem Genuss von fünf Achterl sind sie nicht nur auf einem Bein wacklig. Sondern müssen lallend einräumen, dass ihr Glas nicht nur halbleer, sondern mehr als halbvoll war. Und sie überm Eichstrich abgefüllt sind. 625 Milliliter, das ist immerhin fast eine ganze Flasche. Die Band, die sich nach dieser fulminanten Füllmenge benannt hat, sie kann also eigentlich nur aus dem weinseligen Wien kommen. Und dementsprechend huldigt sie auf der Bühne nicht nur Ewiggestrigem aus den musikalischen Archiven der Walzermetropole, sondern auch dem Heurigen. Das Quintett, das sich um die beiden formidablen Tenor- und Baritonstimmen von Max Gaier und Bobby Slivovsky herumgruppiert, es steht gleichermaßen in der Tradition des Wienerlieds wie auch des amerikanischen Jazz. Miki Liebermann, die schon beim legendären Ostbahn-Kurti mit ihrem Saitenspiel erfreut hat, baut Brücken von Django Reinhardt über Karl Ratzer zu Johnny „Guitar“ Watson, sodass die Mischkulanz groovy und tanzbar wird. Bassist Hanibal Scheutz sorgt mit seinem Kontrabass nicht nur dafür, dass Mauern erzittern, nein, der Sohn der Austropop-Legende Wilfried lässt akustisch Konturen entstehen, die denen eines ziemlich dicken und obendrein wasserunlöslichen Edding-Stifts entsprechen. Und Clemens Wenger am Akkordeon und seinem Wurlitzer E-Piano? Der geht die Sache von seinem hinteren Bühnenplatz so entspannt an, dass er auch bei Höchstschwierigkeiten durchwegs sein linkes Bein hochlagert. So, als säße er, in die Weltpresse vertieft, im Kaffeehaus, ganz entspannt, beim zweiten Glaserl, und noch ganz weit entfernt vom abschließenden Flucht-Achterl.

Auf ihrem aktuellen Album „Burn on“ führen sie auf eindrucksvolle Weise vor, weshalb dieses Melange-Konzept so gut funktioniert: Indem sie textlich einerseits die Gifte unserer Zeit thematisieren, vergessen gleichzeitig nicht aufs nötige Quantum Trost. Alle sehnen nach sich nach Balsam für die Seele. Die 5/8erl, sie „funktionieren“ deshalb im Mainstream-Radio genauso wie im Alternativ-Sender, im Freibad oder im Theatersaal. Und ganz gewiss auch im Aurelium in Lappersdorf. Dort gastieren sie am 9. Mai um 20 Uhr. (Peter Geiger)


