Nachdem ich die Schweizer Combo Fighter V 2025 im Vorprogramm der New Roses gesehen hatte, musste ich mir ob der dargebotenen Mucke die ersten beiden Alben zulegen und das war sehr überzeugend. Nun erschien mit „Deja Vu“ Album #3, einhergehend mit einem Label-Wechsel zur Melodic Rock Schmiede Frontiers. Muskalisch gibt es hier sehr feinen Hard Rock mit einigen Schlenkern Richtung AOR der 80er Jahre. Ein, zwei härtere Nummern und natürlich dürfen auch die Balladen nicht fehlen. Sänger Emmo Acar glänzt dabei mit einer schönen Range, die mich an Steve Perry, Roger Chapman (beim harten Einsteiger „Raging Heartbeat“), frühen Jon Bon Jovi, natürlich David Coverdale und der einen oder anderen schwedischen Koryphäe erinnert. Und da er gerade dabei war, hat er die Scheibe auch gleich produziert, was er vielleicht doch einem anderen überlassen hätte sollen. Die Lieder klingen irgendwie uneinheitlich, so als ob sie zu unterschiedlichen Zeiten bzw. Studios aufgenommen worden wären. Zudem nervt der grausige Frontiers Rec.-Drumsound doch kolossal, der sich anhört wie Angelo Sasso auf Landgang. Ausgeglichen wird das Ganze aber durch die wirklich vorzüglich Gitarrenarbeit mit starken Soli von Lobe Valentin – egal ob harte Nummer oder Schmusekater sowie coole Keyboardspielereien á la „Final Countdown“. Ach ja, und man sollte keine Aversion gegen ein Saxofon haben, den auch hier gibt es den einen oder anderen Farbtupfer. Bei den Balladen „Foolish Heart“ und „For all this time“ werden Feuerzeuge gezückt und zumindest bei der ersten schaut David Coveralde schon sehr nah um die Ecke. Wer es lieber schwedisch mag und HEAT bzw. Eclipse verehrt dreht beim Titelsong lauter und einen Halt in der „Heartbreak Station“ macht man bei „Stand by your Side“. Whitesnake höre ich da eher weniger raus. Dafür brennt das „St. Elmo’s Fire“ beim John Parr Gedächtnisrocker „All your love“ mit cheesigen Lyrics. Das Journey Cover „Ask the Lonely“ heißt hier aber „Hold the Time”, die Keyboardmelodie ist dafür identisch und damit man nicht ohne weitere Ballade heimgeht schluchzt sehnsuchtsvoll das Saxofon bei Ballade #3 „For all this time“. Und um den Zuckerschock zu reduzieren hebt man sich mit „Victim of Changes“ (nein, kein Judas Priest Cover) den zweiten härten Song für den Schluss auf. Unterm Strich: eine schön fluffige Scheibe (härter als aktuelle Gotthard, aber eher Samtpfote gegenüber Krokus) für das Cabrio, wo Fans der erwähnten Bands aber auch Van Halen, China oder Survivor sicher eine gute Zeit mit haben. Mix und Mastering lag in den Händen von V.O. Pulver (u.a. Poltergeist bzw. Gurd) der eigentlich wissen sollte wie man einen fetten organischen Sound auf Band bringt. Egal. Fünf Sterne gibt es dennoch von meiner Warte, nachdem ich ewig auf die CD warten musste und dank des relativ unfähigen Vertriebs sie dann über den Umweg England doch noch in meinen Händen halten konnte. (Frontiers Rec.) HJH
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