altemaelze

The Secret to Good Living

Hiding Places

Richtig, ordentlich rumpelnder Indie-Rock

Mit „The Secret to Good Living“ versuchen die Hiding Places nichts Geringeres als die Lebensfrage zu vertonen – und landen dabei erstaunlich konsequent im Halbdunkel. Die Gitarren perlen, als hätten sie Angst, jemanden aufzuwecken. Das Schlagzeug klopft vorsichtig an, statt die Tür einzutreten. Und der Gesang schwebt so ätherisch über allem, dass man sich fragt, ob er überhaupt hier sein will. Indie-Rock zwischen Brooklyn-Dachterrasse und Carolina-Veranda – schön ausgeleuchtet, aber selten zwingend. Das ist alles geschmackvoll, keine Frage. Melancholie in Pastell. Man hört Einflüsse von Slowcore bis Shoegaze, von Grunge bis Alternative, doch wo andere Bands in Lärm oder Leidenschaft eskalieren, ziehen die Hiding Places lieber noch eine Schicht Hall über die Befindlichkeit. Konflikte werden hier nicht ausgetragen, sie werden dekorativ eingerahmt. Natürlich hat das Charme. Wer seine existenziellen Zweifel gern bei einer Tasse Filterkaffee sortiert, wird sich verstanden fühlen. Aber das versprochene „Geheimnis des guten Lebens“ bleibt gut versteckt – irgendwo zwischen zu viel Zurückhaltung und zu wenig Risiko. Ein Album wie ein sorgfältig geführtes Tagebuch: ehrlich, reflektiert, manchmal berührend. Nur blättert man schneller weiter, als man gedacht hätte. (Cargo) HuSch

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