Bislang hat Flea, ebenso wie sein langjähriger Freund und Bandkollege bei den Red Hot Chili Peppers, Anthony Kiedis, jedem Wunsch nach einem Soloalbum widerstanden und es vorgezogen, seine kreative Energie in die Band zu stecken, die er 1982 mitbegründet hatte. Doch im Laufe der Jahre hat er mit seinem Bassspiel zu Alben und Live-Auftritten einer Vielzahl von Künstlern beigetragen – von Johnny Cash und Warren Zevon bis hin zu Nirvana und Tom Waits. Mit „Honora“ gibt Flea jetzt – mit 63 Jahren – endlich sein Solo-Debüt, bittet einige Freunde um Unterstützung (allen voran Thom Yorke, der in den 2010er Jahren mit dem Chili Pepper in der kurzlebigen Band Atoms for Peace spielte, sowie Nick Cave) und verwebt in den meisten Songs sein Bassspiel mit Trompetenklängen. Die Instrumentenwahl ist nicht so ungewöhnlich, wie es zunächst erscheinen mag; Fleas erste Liebe galt der Musik von Dizzy Gillespie und Miles Davis, und während seiner Schul- und Studienzeit war er ein versierter Jazztrompeter. Somit ist „Honora“ ein Jazzalbum, wenn auch eines mit Coverversionen von Songs von Funkadelic, Frank Ocean und Jimmy Webb. Und es ist glaubwürdiger, als Fleas gewohnter Studenten-Funk und seine Live-Auftritte mit nacktem Oberkörper vermuten lassen. „Honora“ ist sowohl lockerer als auch strukturierter als das typische Red-Hot-Chili-Peppers-Album. Flea hält sich hier größtenteils an die Regeln des Jazz und arbeitet mit einer Kerngruppe zusammen, die in dieser Musik geschult ist: Bassistin Anna Butterss, Saxophonist Josh Johnson, Schlagzeuger Deantoni Parks und Gitarrist Jeff Parker. Jeder von ihnen hat einen experimentellen und avantgardistischen Hintergrund, wodurch die Musik aus einer eher improvisierten Haltung heraus fließen kann. Flea hat sechs der zehn Songs auf „Honora“ geschrieben oder mitgeschrieben, darunter das spritzige Highlight „Traffic Lights“ mit Gesang und Synthesizern von Yorke sowie das siebeneinhalbminütige, von Flöte untermalte „A Plea“, bei dem Flea gleich dreifach zum Einsatz kommt: am Bass, an der Trompete und als Sprecher. Man stelle sich einen elektrischen Miles vor, ergänzt durch „Wichita Lineman“ und Oceans „Thinkin’ Bout You“. Ein angenehmer Abstecher, der durch eine lebenslange Leidenschaft zustande kam. (Nonesuch) UCR
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