Sacco & Mancetti, das ist eine unverwechselbare Mischung aus Rock und Country – ein Sound der in seiner Authentizität und Beständigkeit unzählige Fans gewonnen hat seit die Band 1985 in Erscheinung getreten ist. Mit „Best of..“ erschien 1990 das Debut-Album, dem elf weitere Veröffentlichungen folgten, zuletzt der Longplayer „Fat Fred’s Favourites Vol.1+2“. Alles Studio-Scheiben bis auf den 2010er Release „Live at the Speisesaal“. Und der ist in der Reihe „Sound-Report“ unser Album für den April 2026. Als Erinnerung daran, wie gut diese Band „live on stage“ ist und evt. die Hoffnung, dass vielleicht doch noch ein zweites Live-Album kommen könnte.
Dieses 2010 veröffentlichte Doppelalbum „Live at the Speisesaal“ ist ein ungewöhnlicher Live-Mitschnitt: aufgenommen wurde das Konzert im Speisesaal der Justizvollzugsanstalt in Landsberg am Lech. Diese ungewöhnliche Kulisse verleiht der Aufnahme bereits im Vorfeld eine besondere Atmosphäre – und genau diese Energie prägt das gesamte Album. Die Regensburger Band um Mastermind Jockl Peithner zeigt auf diesem Album vor allem eines: warum sie seit Jahrzehnten als starke Liveband gilt. Die Musik bewegt sich zwischen Rock, Blues, Country und Westcoast-Rock – ein Sound, der bewusst klassisch wirkt und auf große Studioeffekte verzichtet. Stattdessen steht das Zusammenspiel der Musiker im Mittelpunkt. Die Songs werden mit viel Spielfreude präsentiert, treibende Rhythmen, prägnante Gitarren und ein kraftvoller Gesang sorgen für eine unmittelbare Konzertatmosphäre. Gerade diese Direktheit ist die größte Stärke des Albums. Stücke wie „Ain’t No Use in Crying“ oder „Love’s at the Door“ überzeugen durch ihre Energie, während Balladen wie „Rosalee“ oder „Some Angels Fall“ zeigen, dass die Band auch ruhige, emotionalere Momente beherrscht. Das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug bildet dabei ein solides Fundament für die ausgedehnten Gitarrenpassagen.
Mit insgesamt 23 Songs über mehr als 80 Minuten bietet das Album eine umfangreiche Werkschau aus den bisherigen gut 25 Jahren Bandgeschichte. Neben eigenen Stücken findet sich auch eine Coverversion des Bee-Gees-Hits „Stayin‘ Alive“, die in einem raueren Rockgewand präsentiert wird und überraschend gut funktioniert, genauso wie das leicht country-fizierte „Passenger“, im Orginal von Iggy Pop. Den Abschluss bildet die Ballade „Rainbow’s End“, einer der bekanntesten Songs der Band. Ein Livealbum lebt von seiner Stimmung – und genau hier punktet „Live at the Speisesaal“. Das Publikum reagiert hörbar, die Band spielt locker und selbst kleine Unsauberkeiten wirken eher charmant als störend. Gleichzeitig zeigt die Aufnahme aber auch ihre Grenzen: Der Sound ist stellenweise roh und nicht immer perfekt ausbalanciert, was vermutlich auch an der schwierigen Akustik des Aufnahmeorts liegt. „Live at the Speisesaal“ ist weniger ein perfekt produziertes Livealbum als eine ehrliche Momentaufnahme einer routinierten Rockband. Wer auf polierte Studioproduktionen setzt, wird hier vielleicht Abstriche machen müssen. Wer jedoch handgemachten Rock mit Country- und Blues-Einflüssen schätzt, bekommt ein authentisches, energiegeladenes Dokument einer Band, die vor allem auf der Bühne überzeugt, und das auch heute noch.


